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Die Glosse vom Falter

Falter & Meinung | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Kein Tropfen für die Mullahs. Als der iranische Präsident Hassan Rohani unlängst im Vatikan weilte, verzichtete der Gastgeber Papst Franziskus darauf, seinen Gästen Wein zu kredenzen. Aus Rücksicht auf das islamische Alkoholverbot, erklärte die Papstkanzlei.

Nun weiß man aus langer Erfahrung, dass sich im Vatikan das Wasser schnell einmal in Wein verwandelt. Und dass man dort von der Kanzel Apfelsaft predigt und in den Palästen Champagner trinkt - nicht anders übrigens als in der Islamischen Republik. Im Iran ist die Prohibition geradezu ein Freibrief dafür, im stillen Kämmerlein den Schnaps herauszuholen. Westliche Gäste, die keinen Tegel heben, werden bestaunt wie Schwimmbadbesucher, die sich im Hochsommer weigern, die Kleider auszuziehen. Wie kann jemand bloß nüchtern bleiben, obwohl es kein Gesetz gibt, das ihm den Rausch verbietet.

Wer die Volksdroge Alohol bekämpfen will, sollte der lobenswerten Abstinenz des Papstes nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Weh euch, ihr Heuchler!


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