Film Neu im Kino

Männer und Schafe in Einsamkeit und Eis

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

In einem isländischen Tal arbeiten die Brüder Gummi und Kiddi Tür an Tür als Schafzüchter, auch wenn sie seit 40 Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben. Eine Tragödie reißt sie aus ihrem Trott: Die Schafkrankheit Scrapie ist ausgebrochen, alle Tiere der Region müssen getötet werden. Gummi macht sich unter Tränen selbst ans Werk, hält sich dabei allerdings nicht ganz an die Regeln. Als Kiddi davon Wind bekommt, bewegt sich etwas im Bruderzwist.

Der isländische Regisseur und Drehbuchautor Grímur Hákonarson erzählt mit seinem schnörkellosen zweiten Spielfilm "Sture Böcke" - dessen grundsätzlichen Ernst ab und an ein äußerst trockener Humor begleitet -fast dokumentarisch vom Alltag in der kargen Landschaft Islands. Inhaltlich passiert wenig, doch breitet sich eine besondere Intensität aus: Schon stellt man sich den Geruch des Stalls, das Gefühl der dicken Wollpullover auf der Haut oder den Widerstand der Böcke gegen die Hände, die sie an den Hörnern packen, mit den eigenen Sinnen vor.

Nach und nach werden die Charaktere der Brüder herausgearbeitet. Sigurður Sigurjónsson und Theodór Júlíusson verkörpern die zähen Männer, deren einziger Lebensinhalt die Schafe sind, auch in ihrer Körperlichkeit ausgezeichnet. Der Grund ihrer Feindschaft wird zwar nicht aufgedeckt, der Schmerz alter Verletzungen aber angedeutet.

Zum Schluss nimmt "Sture Böcke" eine emotionale Wendung zum märchenhaften Gleichnis, das mit seinem offenen Ende eine Vielzahl an Deutungsmöglichkeiten für den Film enthält: Die Sehnsucht nach der Mutter will mancher darin sehen, eine Gleichsetzung von Tier und Mensch oder Globalisierungskritik manch anderer. Die Unmöglichkeit, sein Thema festzunageln, macht "Sture Böcke" umso interessanter.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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