Fragen Sie Frau Andrea

Wenn es heftig schwanzt

Kolumnen | Andrea Maria Dusl | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Liebe Frau Andrea,

letztens sind mir wieder einmal Vaterworte eingefallen. Wenn ihn was geärgert hat, sagte der Vater: "Des schwanzt mi!" Er meinte das eher im Sinne kleinen Ärgers. Bei Gelegenheiten, wo wir heute sagen würden: "ja, dumm gelaufen", oder so. Woher kommt das Schwanzen?

Leo Novosad, Wien, Schillerplatz, via Facebook-Direktnachricht

Lieber Leo,

vorab die gute Nachricht: Das Schwanzen hat nichts mit dem männlichen Fortpflanzungsorgan zu tun und auch nicht mit Metaphorik dazu. Das Wienerische präzisiert dies, denn käme das Schwanzen vom Penis des Mannes, wäre es anders ausgesprochen, mit einem, zwischen a und o stehenden Laut, den die ältere Mundartdichtung mit einem "å" wiedergibt, die H.-C.-Artmann'sche mit "au". Der Schwanz heißt Wienerisch Schwåntss, Schwaunds, unser Verb aber "schwantssn" mit einem "a" wie in Schwammerl. Dass das Schwanzerl, der kleine Schwanz, wiederum mit Schwammerl-"a" ausgesprochen wird, muss nicht irritieren. Eine sprachliche Verwandtschaft mit dem Schwanz der Tiere kann nicht ganz verhüllt werden, kommt doch dieser über das mittelhochdeutsche "swanzen","swankezen", von "schwanken". Der Schwanz ist der Herumschwankende und nicht umgekehrt. Ins Schwanken, Taumeln versetzt zu werden, ist also das Bild hinter unserem Begriff. Im Wienerlied "Ich kann mein Schlüsselloch ned finden" singt Hans Moser darüber: "Jo songs, wia kaun denn des vaschwindn, es woa bis heid no imma doat, auf amoi isses foat, mei Ehrnwort. Ich glaub das Schlisslloch das pflanzt mi, sengs, so was kränkt mi, so was schwanzt mi, i steh men Schlissl in der Haund und steh wia deppat umanaund."

Unter Sprachbeobachtern gibt es Beunruhigung über den richtigen Einsatz unseres Verbs, so wird moniert, ein reflexives Verb "sich schwanzen" (in der Bedeutung: sich zu ärgern) sei ein Irrtum, denn während es sowohl ein transitives als auch ein rückbezügliches "sich ärgern" gebe, existiere im Wienerischen nur ein transitives Verb "schwanzen", jedoch kein reflexives "sich schwanzen". Oida. Wollte man feministischen und viennologischen Debatten fernbleiben, ließe sich statt des Geschwanztwerdens, das Gefuchstwerden in Stellung bringen. Falls Sie das nicht zu sehr pflanzt.

www.comandantina.com; dusl@falter.at, Twitter: @Comandantina


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