Tiere

Schnüffl er

Falters Zoo | Peter Iwaniewicz | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Don't suspect a friend, report him!", hieß es in Terry Gilliams dystopischem Film "Brazil". Das wird dann auch für unsere gefiederten Freunde gelten, dachten sich die Bewohner der libanesischen Siedlung Bint Jbeil und hielten einen Gänsegeier unter dem Verdacht der Spionage fest. Der Vogel fiel auf, weil er am Rücken einen GPS-Sender und am Bein einen Metallring mit der volksverhetzenden Parole "Tel Aviv University Israel" trug. Nach Intervention der UN wurde der Gefangene wieder den Parkrangern der israelischen Gamla Nature Reserve übergeben. Ob dies im Austausch gegen gefangene libanesische Terrortiere erfolgte, wurde von Regierungsseite nicht kommentiert.

Das ist - leider - nur halb so paranoid, wie es sich anhört. In Zeiten des Kalten Krieges investierten vor allem die USA Millionenbeträge für Programme, die Tiere zu Spionen ausbilden sollten. Legendär unter Liebhabern von Geheimdienstpossen ist das Vorhaben "Acoustic Kitty". Mit beträchtlichem chirurgischem Aufwand wurden Anfang der 1960er Jahre winzige Mikrofone in die Ohren von Katzen implantiert, Funkgeräte am Hals unter die Haut eingenäht und Sendeantennen im Fell bis zur Schwanzspitze verlegt. Auf diese Weise wollte man sowjetische Botschaftsmitarbeiter abhören. Der erste Feldeinsatz in Washington scheiterte daran, dass die verwanzte Katze sich nicht an ihre Befehle hielt, auf eine starke befahrene Straße lief und dort sofort von einem Taxi überfahren wurde.

Im Abschlussbericht der CIA wurde festgehalten, dass man Katzen zwar darauf hintrainieren könne, über kurze Distanzen ein bestimmtes Ziel anzusteuern, dies wäre aber unter den Bedingungen eines echten Spionageeinsatzes kaum praxisrelevant. 1967 wurde das 20 Millionen Dollar teure Programm eingestellt.

Die US Navy hingegen hielt sich noch Jahre lang einen eigenen Tiergarten. Der IQ-Zoo wurde von zwei Schülern des Psychologen Frederic Skinner eingerichtet und diente der Abrichtung von Tieren für militärische Zwecke. Am bekanntesten wurden die als Selbstmordattentäter eingesetzten Delfine mit Sprenggürteln. Der pensionierte Zoodirektor meinte vor kurzem etwas desillusioniert: "Heute hört man Gespräche mit Lasertechnologie ab. Man braucht keine Katzen mehr!" Facebook-Freunde hingegen wissen: Ein Leben ohne Katzen ist zwar vorstellbar, aber sinnlos.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: Bernd Püribauer


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