Ganz schön verspielt

Empfohlen ab zwei Jahren: Das Theaterfestival spleen*graz richtet sich an ein junges Publikum

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 05/16 vom 03.02.2016

Frühkindliche Kunsterziehung kann augenscheinlich nicht früh genug beginnen. "Stimmt das?", könnte man den Theaterkritiker und -journalisten Bernd Mand fragen, der im Rahmen des spleen*graz ein "Institut für angewandtes Fragen" eröffnet. Einer der vielen Programmpunkte des alle zwei Jahre stattfindenden, internationalen Theaterfestivals spleen*graz jedenfalls ist für die Altersgruppe "2 plus" bestimmt: Die deutsche Puppenspielerin, Tischlerin und Germanistin Anke Berger erzählt mit ihrem Theater Couturier die Entdeckungstour eines Gänsekükens (in der Fachsprache je nach Geschlecht als Gänsel oder Gössel bezeichnet). Das 30-minütige "Gänsefüßchen" ist am Samstag, Sonntag und Montag im Theater am Lend zu sehen.

Schauspielerinnen und Schauspieler, Regisseurinnen und Theatermacher aus dem deutschsprachigen Raum sowie aus Belgien kommen in Graz für das spleen zusammen. Diesmal hat das Festival mit dem CCW Stainach auch eine Außenstelle, dort wird das Schweizer Theater Sgaramusch mit "Allheidihei" gastieren: "Mit acht Jahren haben die Kinder noch ein Reptilienhirn. Jetzt bin ich fünf Stunden allein und kann machen, was ich will", heißt es im Teaser dazu. Das erwachsene (Begleit-)Publikum will auf eine Entdeckungsreise in kindliche Gedankenwelten geführt werden. Das Figurentheater Margrit Gysin hat ein Kinderbuch für die Bühne adaptiert, in "Mein Vater" erschafft sich ein Bub in seiner Fantasie die abwesende männliche Bezugsperson. Bei den Stücken für das jugendliche Publikum geht es um die eigene Identität, allen voran die Auseinandersetzung mit Körperund Rollenbildern.

Eine eigene Programmschiene ist "spleen*trieb", hier präsentieren junge, lokale Theatermacherinnen und Theatermacher ihre Arbeiten im sogenannten Annenviertel. Gemeinsamer Nenner ist jeweils ein Aufführungsort, der von der klassischen Bühne abweicht. Erst mal alle Ausreden, die gegen einen Sprung ins gar nicht kalte Wasser sprechen, bringen die Darstellenden der Performance "Lieber nicht" vor, die sich der flexiblen Gesellschaft annimmt und im Bad zur Sonne stattfindet. Regie führen dabei Christina Lederhaas und Simon Windisch (Sa, So 19.30 und 20.45 Uhr). Im HdA findet ein Live-Hörspiel im kleinsten Zimmer statt: Zu dritt hört man "Klo-Geschichten" in einer Viertelstunde (Fr, Sa 15 Uhr). Bei all der Favorisierung des Auges fragt schließlich das Projekt "End.Los.Marsch": Wie klingt eigentlich das Annenviertel?, und erkundet die Antwort gemeinsam mit dem Publikum (Sa und So, 12 und 14 Uhr).

spleen*graz, Graz, div. Orte, und CCW, Stainach, 4. bis 8.2., spleengraz.at


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