Film Neu im Kino

"The Lobster": Verliebe dich! Verliebe dich nicht!


Sabina Zeithammer
Lexikon | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Kaum von seiner Frau verlassen, wird David (ein mopsiger Colin Farrell in Bestform) schon abgeholt. Als Single muss er ins "Hotel", eine Mischung aus Resort und Gefängnis, in dem er innerhalb von 45 Tagen eine neue Partnerin zu finden hat. Gelingt dies nicht, wird er in ein Tier seiner Wahl - in seinem Fall einen Hummer - verwandelt.

"The Lobster", das erste englischsprachige Werk von Giorgos Lanthimos, entwirft eine dystopische Welt. Bereits in seinen Filmen "Dogtooth" und "Alpen" gab es ein (alb-)traumhaftes Setting mit repressiven Strukturen, das sich im "Lobster" doppelt findet: Auf der einen Seite herrscht Beziehungszwang, der banalisiert auf die Spitze getrieben wird - ein gemeinsames Charakteristikum wie Musikalität, eine körperliche Beeinträchtigung oder ein sadistisches Gemüt reicht aus, um sich wie füreinander geschaffen zu fühlen. Auf der anderen Seite existiert eine Gegenwelt, die David betritt, als er aus dem Hotel in die Wälder flüchtet. Hier lebt eine Gruppe Abtrünniger, unter denen Liebe und Sex verboten sind. Ausgerechnet jetzt trifft er eine ebenfalls kurzsichtige Frau (Rachel Weisz) und verliebt sich.

Lanthimos entwirft soziale Konstrukte, die an absurdes Theater erinnern. Dabei hat nicht nur die Ausgangssituation Modellcharakter, auch die Figuren sprechen und verhalten sich zunehmend seltsam. Ergänzt wird diese verstörende wie schwarzhumorige Erzählung freilich von Momenten zarter Romantik. Zunächst recht verwirrend, thematisiert "The Lobster" als wunderlicher Zerrspiegel verschiedene Aspekte menschlicher Beziehungen - von algorithmusbasierten Datingplattformen über soziale Zwänge und Einsamkeit bis zum überzeugten Singledasein. Ein lustvoll rätselhafter Liebesfilm zum Nachgrübeln.

Ab Fr im Filmcasino (engl. OF)


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