Kunst Kritik

Drogen, die wie Halbedelsteine schillern

NS | Lexikon | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Für seine Fotoarbeiten begab sich Raphael Hefti in den Untergrund: In der Dunkelheit eines Schweizer Armeebunkers legte er fotosensibles Papier aus und überließ der Natur die Kunstproduktion. "Lycopodium" nennt er seine Fotogramm-Serie mit explosionsartigen Bildern, die durch die Berührung der brennbaren Sporen der gleichnamigen Moospflanze mit dem Papier entstanden sind.

Die Unikate des Schweizers werden aktuell in der sehenswerten Gruppenschau "Now / Here" im Kunstraum Franz Josefs Kai 3 gezeigt. Kuratorin Marlies Wirth hat dort zeitgenössische Arbeiten vereint, die sich für den Augenblick und das Ephemere interessieren.

Für ihr Video "Smoke" hat Lisa Oppenheim Wolkenaufnahmen aus dem Internet gesammelt, die durch die Rauchschwaden von Katastrophen oder Anschlägen zustande kamen. In einem komplizierten Verfahren von Video auf 35mm-Film zu gescannten Drucken produzierte die US-Künstlerin eine Negativversion des gefundenen Wolkenvideos, das auf seine unheilvolle Herkunft hindeutet. Aufwendige mediale Verfahren scheut auch Sarah Schönfeld nicht, die sich für ihre Fotoarbeiten "All you can feel" mit den chemischen Reaktionen von Drogen spielt und so Bilder produziert, die hochästhetisch an Kristalle und Halbedelsteine erinnern.

Von unterschiedlichen Aggregatzuständen lebt die Installation von Marilia Furman, die auf einem Tisch je einen Block aus Wachs und einen aus Eis unter Hitzestrahler schmelzen lässt - ein "Bild für Instabilität", das wenig überzeugt. Im Film "Phasmides" des Brasilianers Daniel Steegmann Mangrané scheint zunächst alles stillzustehen, dann klettern aber Stabheuschrecken durchs Bild - eine Idee zu Tarnung und Imitation, die Florian Pumhösl bereits 2001 besser umgesetzt hat.

Franz Josefs Kai 3, bis 21.2.

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