Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Veganer Wein von Pfneisl

Wie man Wein schönen und deformieren kann

Stadtleben | MS | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Wussten Sie, dass man Rotwein "schönen" kann, indem man ihn mit Eiklar versetzt? Wir sind nicht in der Küche, sondern im Weinkeller. Die Tanks sind voll und es stellt sich heraus, dass der Tropfen noch "geschönt" werden muss. So lautet der Fachbegriff für den Prozess der geschmacklichen "Fehlerbehebung". Der Zusatz von Eiklar ist eine der ältesten Formen der Klärung von Weinen. "Überschönt" man den Wein, geht seine Struktur verloren, er wird uninteressant.

Es liegt also in den Händen des Winzermeisters, hier die richtige Balance zu finden. Aber nicht nur das Ei kommt zum Einsatz, das am Ende wieder herausgefiltert wird, es gibt noch einige andere tierische Produkte, die bei der Weinproduktion eine Rolle spielen: Gelatine, Kasein und - man halte sich fest - Fischblase. Sie alle haben die Aufgabe, einen lästigen Geruch, ein unerwünschtes Sediment "auszumerzen". Aber: Der vegane Trend ist nun auch beim Wein angelangt, weshalb man bei dieser Herstellungsform vornehmlich Bentonit verwendet, ein Verwitterungsgestein vulkanischen Ursprungs, das das Gleiche wie vorher beschrieben bewirkt, nur langsamer. Der Wein braucht für seinen Ausbau länger.

Offspring von Pfneisl, Deutschkreutz, hat sich auf veganen Wein spezialisiert. Der Merlot ist eine interessante Mischung aus blumig und anständig trocken. Einziger Kritikpunkt: das CI. Man ist sehr bemüht, aufzufallen - in einer Mischung aus Punk und Psychedelik in einer Neuinterpretation der 90er-Jahre. Jedenfalls bemerkenswert.


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