Landrand Ruralismus

Fasching oder die Reise nach Jerusalem

Landleben | Florian Klenk | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Er hat sich heute diese rote Nase angesteckt, in der Hand hält er einen Krapfen. Man hat ihn hier noch nie gesehen, aber er grüßt und wird gegrüßt. Sein Bub wirbelt gerade durch den Gemeindesaal, als Indianer verkleidet, seine Tochter ist die Prinzessin.

Er beißt in den Krapfen, wobei es auf der anderen Seite ein bisschen Marmelade rausdrückt. Die Kinder spielen "Reise nach Jerusalem". Er kommt mir bekannt vor. Er war auch am Adventmarkt. Dort hat er Glühwein getrunken, vielleicht hat er sich auch nur daran gewärmt. Und er hat seinen Buben am Kopf ganz sanft vorgeschoben zum Nikolo. Danke, hat der Bub gesagt, ganz leise. Und dann hat er gesagt, dass ihm die Schwester fehle. Und die Mama.

Jetzt sind sie da. Prinzessin und Mama. Und der Vater lacht. Und ich verstehe ihn plötzlich, weil er auf einmal Deutsch kann. Wie kann man einen wie ihn verstehen, nachdem man die Bilder gesehen hat, die er auf seinem Handy gespeichert hat?

Wir schütteln uns die Hand. Sie ist pickert vom Krapfen und die rote Nase ist verrutscht. "Servus!" sagt er mit arabischem Akzent. Servus, sage ich. Schön, dass ihr jetzt alle da seid.


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