Zum Neunzigsten erneut staunen

Das Festprogramm zum Geburtstag des Komponisten, Dirigenten und Künstlers Friedrich Cerha

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Seine erste Komposition ist mit dem Jahr 1934 datiert. Der damals achtjährige Friedrich Cerha hat seinen Geigenunterricht bei Anton Pejhovsky bald in eigenes Schaffen umgesetzt. Biografien liefern Stoff für große Erzählungen und im Rückblick lassen einen manche Leben staunend vor einem Werk stehen: Zum 90. Geburtstag würdigt das Archiv der Zeitgenossen der Donau-Universität Krems den österreichischen Komponisten und Künstler Friedrich Cerha mit einem intensiven Programm. Beginnend mit einem Symposium von und mit Fachleuten wie Daniel Ender von der Alban Berg Stiftung Wien und Anne Fritzen von der Universität Siegen ("Vernetztes Werk(en). Symposium zum künstlerischen Schaffen Friedrich Cerhas" (Donau-Universität, Krems, Fr 9.30-17.30 Uhr), folgt eine Soirée im Kino im Kesselhaus in Krems, wo Agnes Heginger mit Musikern von Studio Dan "Chansons" Cerhas interpretieren wird.

International hat sich Friedrich Cerha besonders mit seinen Opern einen Namen gemacht, allen voran mit seiner Fassung des dritten Akts von Alban Bergs "Lulu". Bei den Salzburger Festspielen hatte "Baal" 1981 die Uraufführung, "Der Rattenfänger" war 1987 im Programm des steirschen herbst zum ersten Mal aufgeführt worden. Mit "Onkel Präsident" hatte 2014 eine komische Oper Premiere an der Wiener Volksoper. Beim steirischen herbst war auch Cerhas Zyklus "Spiegel" 1972 uraufgeführt worden. Dass sich der gebürtige Wiener Cerha auch mit der Zwölftonlehre und der seriellen Musik auseinandergesetzt hat, ist bekannt. Das Ensemble die reihe gründete er mit Kurt Schwertsik. Für sein Bühnenwerk Netzwerk hat er eine eigene Lautsprache geschaffen, neben Libretti Liedtexte und auch musiktheoretische und gesellschaftspolitische Abhandlungen geschrieben. Als Lehrender an der Hochschule für Musik in Wien fand sich u.a. Karlheinz Essl unter seinen Studierenden. Weniger bekannt sind die bildnerischen Arbeiten Cerhas, Zeichnungen. Aquarelle und Skulpturen hat er gefertigt. Das Archiv der Zeitgenossen, das eine Sammlung künstlerischer Vor- und Nachlässe ist, ist dabei, ein Gesamtverzeichnis zu erstellen und das Forum Frohner in Krems zeigt ausgewählte Arbeiten unter dem Titel "Sequenz und Polyvalenz" (Eröffnung am Sa 11 Uhr). Friedrich Cerha wird anwesend sein und über sein Werk sprechen.

Immerzu forschend und stets neugierig mit "Material" - ob musikalischer, sprachlicher oder tatsächlich greifbarer Natur - experimentierend, so wird Friedrich Cerha von jenen beschrieben, die sein Werk erforschen. Zum Geburtstag wird in Krems zwei Tage ausführlich gesprochen und gratuliert werden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige