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Wenn die Bösen Probleme lösen

Medien | Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Welcher Berufsgruppe vertrauen Sie am meisten? Diese Frage stellte das GfK-Institut vor zwei Jahren 28.000 Menschen in 25 Ländern. Feuerwehrleute, Sanitäterinnen und Krankenpfleger lagen ganz vorn. Auf den letzten von 32 Plätzen landeten Journalisten, Werbefachleute, Versicherungsvertreterinnen und Politiker.

Auch andere Umfragen zeigen: Die Bevölkerung mag Journalisten in etwa so gern wie Kinder kalten Spinat. Das hat wohl damit zu tun, dass Boulevardreporter regelmäßig moralische Grenzen überschreiten und seriöse Journalisten dauernd herumnörgeln.

Ein möglicher Ausweg für Letztgenannte heißt: "konstruktiver Journalismus". Das Prinzip prägte Ulrik Haagerup, der Infochef des dänischen Rundfunks DR. Sein Credo: Nicht nur kritisieren, sondern auch Lösungen aufzeigen. Weniger Skandale und Katastrophen, mehr Licht am Ende des Tunnels. Haagerups Ansatz sickert langsam in den deutschsprachigen Journalismus ein.

In diesen Tagen bringt etwa das Wiener Forum Journalismus und Medien (FJUM) Reportern in Workshops bei, wie konstruktiver Journalismus funktioniert. In Deutschland wiederum wirbt ein Trupp an engagierten Journalisten um Unterstützung für die Plattform "Perspective Daily", die das erste sogenannte "konstruktive, lösungsorientierte Onlinemedium in Deutschland" werden soll. Die Journalisten wollen das Projekt mittels Crowdfunding stemmen. Bis zum 21. Februar brauchen sie 12.000 Mitglieder, die 42 Euro im Jahr zahlen. Ein Werbevideo mit den deutschen Fernsehlieblingen Klaas Heufer-Umlauf und Nora Tschirner haben sie schon (im Netz: http://bit.ly/pdaily). Rund 8000 Unterstützer fehlen ihnen noch.


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