Der mitleidigste Mensch ist nicht der beste

Wie schnell kann die Kunst auf aktuelle politische Ereignisse reagieren und inwieweit ist das überhaupt ihre Aufgabe? Die jüngsten Romane von Abbas Khider und Michael Köhlmeier behandeln die Flüchtlingsfrage aus Sicht der Betroffenen

Feuilleton | Lektüre: Klaus Nüchtern | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Literatur kann viel falsch machen. In Hinblick auf die "brennenden Fragen" zum Beispiel. Lässt sie sich Zeit mit dem, was man gerne "Aufarbeitung" nennt, riskiert sie den Vorwurf, weltfremd zu sein; reagiert sie prompt, setzt sie sich dem Verdacht aus, auf Verkaufszahlen zu schielen oder gar das Leid anderer Leute zu missbrauchen, um daraus ästhetisches und, ja, auch pekuniäres Kapital zu schlagen.

Es wäre zynisch, hier von einem "Totschlagargument" zu sprechen. Der Sache indes ist die fragwürdige Formulierung nicht so fern: "Die sogenannte künstlerische Gestaltung des nackten körperlichen Schmerzens der mit Gewehrkolben Niedergeknüppelten enthält, sei's noch so entfernt, das Potential, Genuß herauszupressen. Die Moral, die der Kunst gebietet, es keine Sekunde zu vergessen, schliddert in den Abgrund ihres Gegenteils."

Das hat Theodor W. Adorno in seinem berühmten "Engagement"-Essay sogar noch gegen den von ihm verehrten Arnold Schönberg und dessen Komposition "Ein Überlebender


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