Der Blumfeld-Sänger als Denkmalstürmer in eigener Sache

Feuilleton | Musikkritik: Gerhard Stöger | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Müsste ein Krawallblatt die Karriere des deutschen Musikers Jochen Distelmeyer in eine knackige Schlagzeile fassen, sie könnte "Vom Diskursrock-Gott zum Deutschpop-Depp" lauten. "Mein Gott Jochen: Der Barde als Denkmalstürmer in eigener Sache" böte sich aktuell ebenfalls an. Aber schön der Reihe nach.

Von 1990 bis 2007 stand Distelmeyer der Hamburger Band Blumfeld vor, die Popmusik als Verlängerung des Soziologieseminars mit anderen Mitteln deutete und dabei nicht nur den Kopf, sondern auch den Bauch anzusprechen vermochte.

"Dieser Zustand ist nicht tanzbar", bellte der junge Distelmeyer zu schroffer Postpunk-Musik; Niklas Luhmann war es in späteren Blumfeld-Stücken dann schon. Da hatte eleganter Pop in den Kosmos der Gruppe Einzug gehalten, Bob-Dylan-Aneignungen und Naturlyrik folgten. Der einst so wortgewandte Pop-Intellektuelle verwandelte sich zusehends in einen schrulligen Typen, der mit dem Apfelmann über den Wochenmarkt tanzte und in Interviews immer öfter mit "Ach, nö,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige