Nüchtern betrachtet

Ich bin das Opfer einer Teigteilchenterroristin


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Als die deutsche Betroffenheitskultur in den 1980er-Jahren ihrem Höhepunkt entgegenstrebte, veröffentlichte die Gruppe Foyer des Arts als Gegenreaktion das Album "Die Unfähigkeit zu frühstücken". Der Titel bezog sich ironisch auf einen Bestseller der Vergangenheitsbewältigungsliteratur, bezeichnet aber auch ein real existierendes Problem. Ich finde Frühstücken wirklich schwierig. Manche bezeichnen es ja als die wichtigste Mahlzeit des Tages, aber das ist, wie fast alles auf dem Sektor der Ernährungsphilosophie, ideologischer Humbug. Frühstück ist die Mahlzeit, die man im Hotel einnimmt, weil man dafür bezahlt hat und weil wer anderer das Rührei macht. Zuhause trinkt man halt einen Tee und schon hat man Schwung für den Tag gesammelt und schreibt einen Haiku über teetrinkende Amseln im Schnee.

Es gibt allerdings, wie ich aus persönlicher Anschauung weiß, Menschen, die andere zum Frühstück einladen. Das geht immer schlecht aus, weil die Einlader, die selber nie frühstücken,

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