Ohren auf Klassik

Schluss mit dem Klischee des Waldund-Wiesen-Barden

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Am 8. Dezember wurde weltweit der 150. Geburtstag von Jean Sibelius gefeiert. Im deutschsprachigen Raum hingegen hält sich das Klischee des naturbeschwörenden finnischen Nationalkomponisten teilweise hartnäckig.

Da braucht es prominente Fürsprecher wie Simon Ratt le, der sich als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker unermüdlich für die Musik des großen Sinfonikers aus dem Norden eingesetzt hat. Den krönenden Abschluss dieser fruchtbaren Zusammenarbeit bildet nun die Gesamtaufnahme "Jean Sibelius - Symphonies 1-7" (Berliner Philharmoniker Recordings), verpackt in eine luxuriöse Edition mit vier CDs inklusive Video-Blu-Ray, Pure-Audio-Blu-Ray und eines üppigen, spannend zu lesenden Booklets. Makellos ist auch die Interpretation des finnischen Meisters, was bei dieser kongenialen Paarung eigentlich nicht anders zu erwarten war.

Eine weitgehend unbekannte Seite Sibelius' zeigt Nicolas Dautricourt auf "Sibelius-Humoresques" (La Dolce Volta). Mit Ausnahme des berühmten Violinkonzerts, der mit Abstand meistgehörten Sibelius-Partitur großen Formats, hat der französische Geiger das Gesamtwerk für Violine und Orchester sowie Kammermusikalisches eingespielt, darunter die lyrischen Humoresken ebenso wie die erfrischend heiteren Stücke für Violine und Klavier oder Sibelius' hinreißende Serenaden, die leider viel zu selten gespielt werden.

Ein charmantes Geburtstagsgeschenk sind die Aufnahmen aus dem Hause Naxos. Auf sechs CDs hat der finnische Komponist und Dirigent Leif Segerstam mit dem Turku Philharmonic Orchestra die gesammelten Sibelius-Schauspielmusiken eingespielt, darunter Kuriositäten wie "Belsazars Gastmahl" oder "Swanwhite". Zuletzt kam "Scaramouche", die Komposition für die gleichnamige tragische Pantomime, hinzu. Hinreißende Musik und unbedingt eine Entdeckung wert.


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