Stadtrand Urbanismus

Wenn das Land in die Stadt kommt


Birgit Wittstock
Stadtleben | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Vergangenes Wochenende auf Wiens Straßen: Frauen mit kurzen Röcken, Burschen in kurzärmeligen Leiberln und selbst alte, gebrechliche Damen ohne Hut, Schal und Handschuhe. Es waren Frühlingstage mitten im Winter. In vielen Wohnhäusern standen tagsüber die Fenster sperrangelweit offen. Das Bedürfnis, die miefige Heizungsluft loszuwerden, war groß. Perfektes Wetter für einen Ausflug. Und während die Mehrheit auf den Wiener Einkaufsstraßen in der Nachmittagssonne flanierte, machten sich andere zu einem Spaziergang über die städtischen Grünstreifen auf.

Das Lustige, wenn Städter im Grünen unterwegs sind: Entweder sie sind ausgerüstet, als wollten sie zu Fuß den Amazonas-Regenwald durchqueren - oder aber, und das ist viel häufiger und mindestens genauso dumm, sie staksen mit feinen Stadtschuhen in den Wald, um dort mit Entsetzen festzustellen, dass der Boden nicht betoniert, sondern den Elementen ausgesetzt ist. Und das bedeutet zu dieser Jahreszeit vor allem eines: überknöcheltiefer Gatsch. Man könnte sagen, Gatsch und Blätter sind das urbane Äquivalent von Teer und Federn.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige