Sehnsuchtsland Syrien

Auftakt der Grazer Dschihadistenprozesse: Die Strafverfahren gegen vermeintliche IS-Sympathisanten und -Kämpfer geben Einblicke in die bizarre Welt radikalisierter tschetschenischer und bosnischer Familien

Politik | Reportage: Gerlinde Pölsler | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Eben noch hat ein Suchhund den Gerichtssaal auf Sprengstoff durchschnüffelt, jetzt suchen die Angeklagten ihre Plätze. Dicht hinter ihnen Beamte der Cobra und anderer Spezialeinheiten der Polizei. Nur fünf der acht Angeklagten sind erschienen. Zwei junge Männer, beide mit langen Bärtchen. Einer hat im zweiten Tschetschenienkrieg mehrere Finger verloren. Der zweite ist die zentrale Figur dieses Prozesses: Visit D., zwei Ehefrauen, derzeit "Imam", wie er sagt, und Arbeitslosengeldbezieher. Die Drittangeklagte ist eine junge Frau, Mutter dreier Kinder, Witwe eines IS-Kämpfers, und deren Mutter. Wo die zweite, ebenfalls angeklagte Tochter sei? "Nicht da. Tschetschenien.""Was macht sie da?""Schule."

Zwei von vier Prozessen gegen die heimische Dschihadistenszene haben vergangene Woche in Graz begonnen. In einem wird die tschetschenische, im anderen die bosnische Islamistenszene beleuchtet. Die Anklage lautet in den meisten Fällen auf "das Verbrechen der terroristischen Vereinigung", des


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