Menschen

The Last Waltz

Falters Zoo | Lukas Matzinger | aus FALTER 06/16 vom 10.02.2016

Der Opernball war. Der sechzigste. Der letzte von Desirée Treichl-Stürgkh, dem Autor dieser Zeilen kommen gerade wieder die Tränen, Desirée Treichl-Stürgkh. Das Ende einer Ära. Und er war eh nett, der Ball. Und es war eh alles okay. Nirgends hat ein Nippel rausgeschaut, keiner hat gerauft, der Lugner-Gast war nicht besonders zickig, keiner hat ein richtig angesoffenes Interview gegeben. Nicht einmal bei den Roben haben sich die Damen heuer besonders weit aus den schönen Opernfenstern gelehnt. Alles im glanzvollen Rahmen. Das wichtigste Faschingsgschnas Österreichs war heuer eben auch eines der faderen. Kein Exzess, keine Party. Behäbig, muss man wohl sagen. Personalmäßig waren auffallend viele Deutsche da, darunter Barbara Schöneberger und der Rapid-Kapitän Steffen Hofmann, dem Bälle sonst eigentlich schon viel sagen, aber der in der Oper ein wenig unbeholfen ausschaute. An Österreichern wurden, von denen, die keine Politikoder ORF-bedingte Anwesenheitspflicht haben, zumindest Nicholas Ofczarek, Alexander Pereira, Birgit Sarata, Stefan Ruzowitzky, Karl Schranz, Gery Keszler, Harald Serafin (hatte seinen Sohn mit), Erwin Wurm (sein Sohn tanzte) und Magic Christian (hat ganz schön viele Spielkarten verloren) gesichtet. Im Übrigen war es auch der letzte Tanz des Heinz Fischer. Also als Staatsoberhaupt. Der wird vielleicht ganz froh sein. Denn er liebte den Ball nicht, betonte er noch einmal, lieben tut er nur seine Frau Margit. Von seinen möglichen Nachfolgern tanzte nur Andreas Khol in der Staatsoper Probe. Also, halt, und das Opernballmaskottchen Richard Lugner. Der war ein bisschen angefressen, er fühlte sich von Treichl-Stürgkh schlecht behandelt, weil seine Loge gleich "neben dem Klo" war. Sein Gast Brooke Shields war artig, aber letztlich farblos. Die "Blaue" Lagune ist halt auch schon ein paar Jahrzehnte her.

Wirklich versagt wurde nur im Kleinen. Die Lugners haben sich live vor den ATV-Kameras gestritten und einander die übelsten Sachen an den Kopf geworfen. Ist aber im Grunde auch nichts Neues. Auf einem anderen Sender war gerade die kleine Tirolerin Mirjam Weichselbraun an diesem Abend ungewohnt angriffi g. Sie war frech zu mehr als einem Gast und fing sich am Ende, als sie einmal in ihrem Leben etwas Witziges sagte, umgehend einen Shitstorm von rechts ein. Die Highlights am Parkett waren rar, aber doch: Vom Staatsballett waren alle sehr angetan, sie tanzten eine Choreografie von Vladimir Malakhov, und natürlich vom Auftritt des Tenors Placido Domingo, der in erster Linie einfach noch immer wunderschön singt.

Lugners größte Konkurrenten um die besten Ballgäste des Landes schliefen auch heuer im Gegensatz zu ihren Gesichtern nicht. Die Botox-Familie Wess aus Deutschland kündigte erst Alain Delon an - als der wegen seines schwachgewordenen Herzens nicht dabei sein konnte, karrten sie Opernball-Überlebende und Ex-Lugner-Opfer Pamela Anderson und den Sohn Alains, Anthony Delon, nach Wien, der ungefähr so gut ausschaut wie die beiden Wess-Brüder arg. Dass mit Maren Gilzer, Helena Fürst und Julian F. M. Stoeckel gleich drei kürzliche Dschungelcamper am Opernball waren, erhärtete den Eindruck, dass der Opernball vielleicht doch die marodierend-glänzende österreichische Hauptabendausgabe der "Ich bin ein Star, holt mich hier raus"-Reihe ist.

Und sonst? Ein Seiterl Bier kostete acht Euro, ein Paar Würstel 10,70. Das war dafür fast so kalt wie das Getränk. Getanzt wurde bis um 5.30 Uhr. Die Lugners fuhren getrennt nach Hause. Desi weinte. Nächstes Jahr ist's wieder.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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