Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Sat. 1 macht aus dem verpönten Genre des Kindercastings die unterhaltsame Sendung "The Voice Kids". Die Jury begegnet den Kindern mit liebevoller Wertschätzung, sodass man als Zuseher nicht das Gefühl hat, einer voyeuristischen Vorführung dressierter Äffchen beizuwohnen. Die Sängerin Lena Meyer-Landrut ist eine der Preisrichterinnen. Sie fuchtelt, japst und stammelt wie ein Kleinkind, das noch nicht ruhig am Tisch sitzen kann.

Ganz anders der 13-jährige Noël. Er hat für die Blind Audition Conchita Wursts ESC-Hit "Rise Like a Phoenix" ausgewählt und singt ihn mit einem Pathos, den mit dieser Selbstverständlichkeit nur ausgewachsene Profis riskieren. Noëls Stimme gab der Divenhymne ein Volumen, das die Vorlage sogar übertraf. Die Juroren kletterten hilflos auf ihren Sesseln herum, in ihrer eigenen Durchschnittlichkeit sichtlich beschämt von so viel Talent. Der Teenager legte bei seiner Performance die Nonchalance eines großen Narzissten an den Tag, der die Huldigung der Massen gewohnt ist. Lena könnte sich ein Scheibchen davon abschneiden.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige