Stadtrand Urbanismus

Blick über den Wiener Tellerrand

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Wenn man sich in einer Stadt zu Hause fühlt, setzt ein eigenartiger Prozess ein: Man beginnt über sie zu jammern. Schlimmer noch: Es scheint ganz so, als nähme die Jammerei exponentiell mit dem Heimatgefühl zu. Deshalb ist es eine unverzichtbare therapeutische Maßnahme, die Heimatstadt und somit auch den eigenen Saft, in dem man tagtäglich schmort, regelmäßig zu verlassen, um einen Blick über den Tellerrand zu tun.

Der Vergleich fördert zuweilen ganz erstaunliche Erkenntnisse zutage. Etwa dass Wien in Sachen Barrierefreiheit im öffentlichen Raum gar nicht einmal so schlecht dasteht. Als Vergleichsstadt muss an dieser Stelle Hamburg herhalten: Die wahnsinnig gstopfte Hansestadt leistet sich mit der Elbphilharmonie zwar eines der zehn teuersten Hochhäuser der Welt, dafür reicht's nicht einmal für Rolltreppen, geschweige denn für Aufzüge in den U-Bahn-Stationen.

Und die wilden Hasen und Eichhörnchen, die durch die großzügigen Innenhöfe laufen, mögen zwar ein Walt-Disney-Feeling hervorzaubern, für die horrenden Mietpreise entschädigen sie nicht. Ein Hoch auf Wien!


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