Wo Baukultur beginnt

Was kann eine Großstadt wie Wien von der Baukultur innovativer Landgemeinden lernen? Viel

Landleben | Plädoyer: Christoph Chorherr | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016


Die Klärschlammanlage von Ybbsitz in Niederösterreich (Foto: Landluft/Georg Herder)

Die Klärschlammanlage von Ybbsitz in Niederösterreich (Foto: Landluft/Georg Herder)

Zum Beispiel die Preisträgergemeinde Krumbach im Vorarlberger Bregenzerwald: Hier leben 1040 Einwohner. „Bauwidmungen auf Freiflächen sind bei uns tabu, dadurch haben wir die Zersiedelung gestoppt“, sagt knapp und unmissverständlich Arnold Hirschbühl, der Bürgermeister. Die mit Preisen überhäufte Kleingemeinde hat ihrer Zentrumsentwicklung hohe Priorität gegeben. Das „Dorfhus“ in der Ortsmitte wurde vom Vorarlberger Hermann Kaufman, der auch in München eine Architekturprofessur innehat, geplant. Darin sind ein Supermarkt, ein Friseur, eine Bank, ein Café und acht Wohnungen untergebracht. Häuser in „urbaner“ Dichte mit hoher gestalterischer Qualität im Zentrum statt Einfamilienhäuser und Einkaufszentren an den Rändern, das ist Leitmotto vieler dieser Baukulturgemeinden.

Davon können Landgemeinden lernen, und eine Großstadt wie Wien sowieso. In Wien werden Jahr für Jahr alle Prognosen überboten: Allein 2015 stieg die Bevölkerungszahl um mehr als 42.000 Menschen. Der Druck, ausreichend Wohnungen, Schulen, Straßen, Kindergärten und öffentliche Verkehrsmittel bereitzustellen und zu finanzieren, ist gewaltig. Nach wie vor stammt die größte Gruppe jener, die nach Wien kommen, aus den Bundesländern. Sie kommen aus kleinen Städten und Dörfern, deren Probleme konträr sind: Abwanderung, Schließen von Schulen und Gasthäusern, Verschwinden von Einkaufsmöglichkeiten in den Ortskernen. Dafür breiten sich riesige, hässliche, nur mit dem Auto erreichbare Shoppingzentren irgendwo im Nirgendwo aus. Wer durchs Land fährt, kennt das.


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