Menschen

Tue Gutes!

Falters Zoo | Barbara Tóth, Birgit Wittstock | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Vergangene Woche wurde viel Gutes getan, und wir wollen darüber reden. Zum einen hat am Samstag die Höhere Lehranstalt für Tourismus und Wirtschaft (HLTW13, ansässig in der Hietzinger Bergheidengasse) zum neunten Mal in Folge ein Wiener Stadthotel gekapert - dieses Jahr erneut das Austria Trend Hotel Savoyen -, um dort ein großes Theater zugunsten des Otto-Tausig-Fonds zu veranstalten. 220 Schülerinnen und Schüler haben dazu freiwillig seit Oktober so getan, als wären sie die Betreiber des Savoyen: Sie haben Organisation, Küche, Bar und Service übernommen, an die 1000 Tickets verkauft und einen Tag und einen Abend lang "Das Theaterhotel" geschupft. Begleitet wurde das Gelage von den Auftritten diverser Künstler. Etwa Schauspieler Karl Markovics, der Gedichte von Christian Morgenstern vorlas, und Schauspielerin und Kabarettistin Nadja Maleh, die eigene Stücke zum Besten gab. Zu späterer Stunde gab's Wiener Strizzi-Lieder von Adi Hirschal & Band und einen Auftritt der Wiener Tschuschenkapelle. Die eigentlichen Chefs der Veranstaltung, die Schülerinnen und Schüler, blieben trotz Aufregung irrsinnig professionell und konnten mit ihrer Charity-Aktion einen Haufen Kohle für den guten Zweck erwirtschaften.

Ebenfalls am Samstag haute man im Rathaus auf den Putz - und dem Vernehmen nach ziemlich feste. Zum 22. Flüchtlingsball, dessen Reinerlös dem Verein Integrationshaus, der seit 1995 Flüchtlinge beherbergt, betreut und berät, zugute kommt, ist halb Wien angetanzt - zumindest hatte man im großen Gewurl den Eindruck: Zur Eröffnung begrüßte Ehrenobmann Willi Resetarits SP-Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und die grüne Nationalratsabgeordnete Alev Korun. Gemeinsam forderten sie mehr Solidarität mit den Flüchtlingen. Danach wurde, wie jedes Jahr, gegessen, getrunken und gefeiert, was das Zeug hält: Viel Musik von weit, weit weg bis ganz nah gab's auf verschiedenen Bühnen und das Komm-wie-du-willst-Ballpublikum tanzte zu afrikanischen, rumänischen und syrischen Rhythmen genauso wie zum Hip-Hop des Wieners Skero. Mit von der Partie waren Schauspielerin Katharina Stemberger und ihr Mann Regisseur Fabian Eder, auch die Filmemacherin Nina Kusturica sah man auf diversen Tanzflächen, sowie die Sängerin und Integrationshaus-Obfrau Beatrix Neundlinger.

"Wir kandidieren", verkündete Weltbekanntin-Wien-Baumeister Richard Lugner vergangenen Donnerstag. Und mit "wir" meint er natürlich sich und seine Frau Cathy Lugner, geborene Schmitz, die Hans Rauscher in seinem Einserkastl im Standard sehr feinfühlig "ein recht stählernes Spatzi" nannte. Was er damit meinte, ist klar. Hier tritt wohl mehr Cathy als Richard Lugner für die Präsidentschaftswahlen an. Weil realistische Chancen auf die Hofburg haben die Lugners nicht. Eine Kandidatur ist vor allem ideale Gelegenheit für noch mehr Selbstdarstellung. Und darin ist Cathy, gelernte Krankenschwester und ehemaliges deutsches Playmate, absolute Perfektionistin. Inszenierten Krawallen -wie jüngst am Opernball - folgen inszenierte Versöhnungen (Badewannenknutschfotos auf Facebook).

Dazwischen postet sie jede Menge Selfies mit Schmollmund und viel Haut und sexy Aufforderungen, das Ganze zu kommentieren: "Ich liebe High Heels, wie gefallen sie euch?" In Zukunft kann Frau Lugner zu Recht in ihr virtuelles Tagebuch eintragen: "Ich trage heute Nude-Make-up, weiße Bluse und dunklen Anzug und mache ein bisschen Politik. Und was macht ihr so?"

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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