Ohren auf Ö-Jazz live in Concert

Ein Alterssprung? Egal, der Jözz bleibt jung!

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Jenseits von Solitären wie Hans Koller und Joe Zawinul begann die international wahrgenommene Geschichte des heimischen Jazz (= Jözz) in den späten 1970ern und frühen 1980ern. Der damals noch blutjunge Wolfgang Puschnig war einer der ersten, der den Sprung vom Wörthersee über den großen Teich geschafft hat. Wenige Monate vor seinem 60. Geburtstag präsentiert er nun das Album "Seeds" (Skylark) seines Quartetts Homegrown (27.2., Wiener Konzerthaus). Wo der Samen herkommt, dessen Saat hier aufgeht, ist nicht eindeutig auszumachen: Blues und heimische Folklore, carinthische Melancholie und New Yorker 80er-Jahre-Nervosität werden amalgamiert, wobei mit Raphael Preuschl (b) und Lukas König (dr) auch zwei herausragende Vertreter der jüngeren Generation beteiligt sind.

Eine Schlüsselgestalt ebendieser, der Keyboarder Clemens Wenger, unternimmt auf "Neapel" (Jazzwerkstatt) Reisen nicht nur in das Land, wo die Zitronen blühen, sondern auch nach Japan ("24 Kobe Chords"). Die zehn überraschend pop-romantischen und atmosphärisch aufgeladenen Stücke, die am 1.3. im Porgy & Bess live zu hören sind, verbinden pulsierende Beats, störrische Basslinien und Streicherschmelz (Studio Dan Strings) mit einem vielschichtigen Spektrum an Geräuschen, Stimmen und Synthie-Sounds. Filmkomponist gesucht? Wenger is your man!

Mit der etwas abgegriffenen Metapher "klingendes Roadmovie" wären auch die beiden Suiten, die auf "Mardo" zu hören sind, nicht ganz falsch beschrieben. Josef Wagner 's Memory Control wird dieses Album im Rahmen des Festivals des Labels Session Work am 28.2. im Porgy & Bess präsentieren. Alle Tempo- und Richtungswechsel meistert das stupend synchronisierte Sextett souverän, wobei man nach Durchhören des Albums das Gefühl hat, dass man die Autobahnraststätte vielleicht doch nicht hätte auslassen sollen.


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