Sport Glosse

Fußball ist ein kompliziertes, hochkonfessionelles Spiel

Stadtleben | Johann Skocek | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Die Wahl des neuen Fifa-Präsidenten am 26. Februar in Zürich wird der Anpfiff für das Endspiel der Kulturen. Fifa-Präsident Joseph Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini mögen gesperrt sein, das verrottete System ist noch nicht am Ende. In der Ferne erhebt Scheich Salman aus Bahrain, Mitglied der Königsfamilie, Anspruch auf den Fifa-Thron. Ölvorkommen haben die Herrscherfamilie, die laut Amnesty International inhaftierte Kinder foltern lässt, stinkreich gemacht. Doch Bahrains Ölquellen sollen demnächst versiegen. Statt mit Benzin werden Autos demnächst mit Strom fahren, der Hunger nach Fußball aber ist unstillbar. Salman braucht einen neuen Job. Ein Scheich als Fifa-Chef? Vielleicht irritiert Europäer weniger die Menschenverachtung als das Vorhaben, dass Muslime nach dem Kölner Karneval jetzt auch das Kicken übernehmen könnten. Fußball ist doch das Hohelied der christlichen Tüchtigkeit und Blatters größte Sünde der Verrat der protestantischen Ethik, die diesem Modellfall des abendländisch-kapitalistischen Wirtschaftssystems zugrunde liegt. Wäre ein westlicher Pharisäer wie Platini erträglicher als ein Pharisäer aus dem Morgenland? Der Fußball wird langsam zu kompliziert.


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