Kommentar Identitätspolitik

Ein Treuegelöbnis in Schulen? Gute Idee, aber bitte auf Europa!

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Nein, der Hohn über Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel ist nicht gerechtfertigt. Der aufstrebende Schwarze hatte vorgeschlagen, in Schulen ein Treuegelöbnis auf Österreich und seine Werte einzuführen, ähnlich wie es im Einwanderungsland par excellence, den USA, als "Pledge of Allegiance" bekannt ist.

Jeden Morgen stehen die Schüler dort zu Unterrichtsbeginn auf, legen sich die rechte Hand aufs Herz und sagen "Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden."

So wie das Morgengebet markiert ein solches im Grunde banales Ritual nicht nur den Wechsel von Freizur Lernzeit, sondern eint alle, selbst wenn sie die Sätze nur runterleiern, zu einer Gemeinschaft, egal, welche Religion, Hautfarbe, Herkunft oder Sprache sie haben.

Blümels Vorschlag hat also Charme und macht Sinn, erst recht, wenn Klassen diverser (man könnte auch sagen: amerikanischer) werden. Wenn die Gesellschaft unübersichtlicher wird, helfen solche Formeln und Rituale.

Nur die Sätze, die Blümel aufsagen lassen will, sind dürftig. "Ich bekenne mich zur Republik Österreich und ihrer Verfassung und achte die österreichischen Gesetze und Grundwerte - um unsere Freiheit und ein friedliches Miteinander zu sichern. Mann und Frau sind in Österreich gleichgestellt, und jeder Mensch hat das Recht, sein Leben selbstbestimmt zu gestalten" klingt einfach zu kleingeistig.

Wenn, dann sollten wir uns zu Europa, den Menschenrechten und der Tradition der Freiheit, Gleichheit und dem friedlichen Miteinander bekennen. Und zu Österreich als Teil dieser großen, schönen Tradition.


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