Phettbergs Predigtdienst

Ich stehe wieder einmal am Ende

Kolumnen | Hermes Phettberg | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Am Abend um 22 Uhr holte mich Sir Aram Haus im Rollstuhl ab zum Rosenball im Kursalon Wien, der hat Gottseidank noch keine Klimaanlage, und so konnte ich mich sehr gut hineinkuscheln in den Kursalon. Es waren so viele junge Herren in engen Hosen bzw. Shorts da, mit perfekten Oberschenkeln! Und alle waren bereit bzw. ersehnten, dass du ihre Schenkel liebkost. Ich hab das prompt getan und kann nur sagen: Ich kann daher nicht wirklich behaupten, dass sich alle Oberschenkel danach sehnten, von mir liebkost zu werden. Wenn der Kursalon eine Klimaanlage hätte, wo wäre dann wohl die Wärme? Aram brachte mich dann um drei Uhr mit UHU-Brillengläsern als Geschenk des Rosenballs auf meinem Haupte zurück.

Der Kaffeesiederball ist eine billige Ausgabe des Opernballs, ident wie der Opernball, nur viel billiger, doch mit Garderoben wie beim Opernball, Frack und Abendkleid total. Ich weiß nicht, ob es in der Staatsoper auch eine Klimaanlage gibt, doch die Hofburg geht ja hoch hinauf, aber unten ist es eiskalt und überall zugig. Oben waren tausende und abertausende Menschen und es war warm, weil so viele Menschen sich dort herumdrängten. Doch ich hatte keinen Frack, sondern nur ein von Sir eze gestiftetes schwarzes Hemd und fror in der Zugigkeit. Nichts verbreitete in meiner Seele Gemüt. Kein Mensch gesellte sich zu mir und meiner hungrigen Seele. Nur der Fahrer vom Fahrtendienst Pokorny hat mir wohlgetan.

Ich stehe wieder einmal am Ende. Eine Krähe hör ich gerade krähen. Und die Sonne scheint auf die Kamine der diagonal gegenüberliegenden Häuser. Wenn's warm wäre, ginge ich glatt nackt frühstücken auf den Pintplatz. Aber ich habe ja kein Geld, mir ein Frühstück zu leisten von der Bäckerei Hafner. Die Sonne scheint, wie wenn's warm wäre, aber draußen ist es noch sicher eiskalt, vor allem nackt. Jetzt hab ich circa tausend Gratis-Windelhosen auf Vorrat, weiß aber nix mehr mir anzuziehen.

Nun zum Evangelium des heutigen fünften Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr C: "Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen." Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach. (Lk 5,1-11) Oh, was für ein Märchen, herzlieber Jesus! Nirgendwo gehör ich dazu.

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