Kunst Vernissage

Mit scharfen Nippeln gegen den Phalluswahn

Lexikon | NS | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Eine "zu Unrecht wenig bekannte" heimische Künstlerin würdigt die Sammlung Verbund nun mit einer Ausstellung in der Vertikalen Galerie der Firmenzentrale und stellt ihre Arbeiten auch in einer ausführlichen Monografie vor: Feministisch und gesellschaftskritisch zählte Renate Bertlmann zur ersten Riege emanzipierter Wiener Künstlerinnen, die für weibliche Selbstbestimmung eintraten. Humor und (Selbst-)Ironie waren stets wichtige Ingredienzien ihrer Arbeiten, etwa bei der Fotoserie "Verwandlungen" von 1969, für die sie in Frauenrollen wie "Femme Fatale" oder "Lolita" posierte. Komödiantisches Talent für die Unterminierung der Geschlechter bewies die 1943 geborene Wiener auch mit der Fotoperformance "Renée ou Rene", mit der sie den Phallozentrismus aufs Korn nimmt, oder in ihrem "Selbstporträt als Heilige Teresa", wo sie als lüsterne Mystikerin posiert.

Ende der 1970er nahm Bertlmann eine Wendung ins Unheimliche und Geschlechter-Unbehagliche, als sie etwa bei ihrer Aktion "Die schwangere Braut im Rollstuhl" im weißen Kleid und einer Maske aus Babyfläschchenaufsätzen mehrere Formen (weiblicher) Einschränkung zusammenführt und schließlich vor dem Publikum einen Kassettenrekorder mit Säuglingsgeschrei gebärt.

Aus Latex kreierte die einmal als "sanfte Rebellin" titulierte Künstlerin auch Brüste zum Umbinden, deren Spitzen mit aufgesetzten Messer versehen waren. "Amo Ergo Sum" heißt die aktuelle Schau - ein Titel, der von einer Acrylglasskulptur stammt, in der wichtige und programmatische Briefe versammelt sind. Zu sehen sind inszenierte Fotografien, Zeichnungen, Objekte und Filme, wobei die Installation "Bilderwandlung oder der pädagogische Eros" zum ersten Mal öffentlich präsentiert wird.

Sammlung Verbund, Do 19.00; bis 30.6.


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