Sturm & Schlamm - Shakespeare mit Barbara Petritsch am Grazer Schauspielhaus

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Eine beliebte Methode zur Auslastungsoptimierung war am Grazer Schauspielhaus schon unter Anna Badora das Engagement prominenter Gäste. - Ein zumindest zwiespältiges Geschenk ans Publikum, haftet dem Versuch, die große Kunstwelt ins kleine Graz zu holen, doch stets der Geruch von Provinzialität an. Unter Iris Laufenberg wurde nun Burgschauspielerin Barbara Petritsch (hat immerhin in Graz studiert) verpflichtet. Und zwar für die Rolle des Prospero in William Shakespeares Romanze "Der Sturm". Künstlerisch betrachtet war es ein Glücksgriff, die große 1945 geborene Darstellerin auf jene Shakespeare-Rolle anzusetzen, die gerne als sein persönliches Abschiedsgeschenk an die Bühne gedeutet wird. Prosperos Schlusswort ans Publikum gerät so zu einem erhaben dramatischen Moment.

Und dann wurde Petritsch noch die geniale Julia Gräfner zur Seite gestellt, die als unterworfener Ureinwohner Caliban nackt durch den Schlamm kriecht (Ralph Zegers Bühnenbild deutet Prosperos Insel als Misthaufen) - Hochleistungskörpertheater nahe an der Aus-oder Bloßstellung. Die gelungene Korrespondenz dieser beiden darstellerischen Welten verleiht Stephans Rottkamps Inszenierung gehörig Spannung.

Schön besetzt ist außerdem Sarah Sophia Meyer als schnippischer Luftgeist Ariel, Pascal Goffin und Benedikt Greiner bringen in Nebenrollen amüsanten Slapstick ein. Ein gelungener Abend, der sich die Erzählung gekonnt ins Bild setzt, eine Problematisierung der kolonialistischen Perspektive des Stücks aber höchstens andeutet.

Schauspielhaus Graz, Di, Mi 19.30


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