Am Apparat Telefonkolumne

Muss man Sie jetzt Herr Parteiobfrau nennen, Herr Schinner?

Politik | Interview: Josef Redl | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Die Klagenfurter Grünen haben beschlossen, im neuen Parteistatut bei der Beschreibung von Parteifunktionen nur noch die weibliche Form zu verwenden - statt eines Parteiobmannes gibt es formal also nur eine Parteiobfrau. Der eigentlich unspektakuläre Symbolakt wurde breit in zahlreichen Medien zitiert und diskutiert. Wir haben Reinhard Schinner gefragt, wie er genannt werden will.

Guten Tag Herr Schinner. Muss ich Sie jetzt korrekterweise mit Herr Parteiobfrau ansprechen?

Nein. Wieso?

Weil das Parteistatut der Klagenfurter Grünen ja nur noch die weibliche Form kennt.

Wir haben in unserem Statut die weibliche Form gewählt. Dort ist die Funktion ja sozusagen neutral beschrieben. Wenn ein Mann die Funktion hat, ist er natürlich ein Obmann, eine Frau ist eine Obfrau.

Die Änderung der Statuten einer Stadtpartei hat wohl selten so viel Aufmerksamkeit bekommen. Überrascht?

Wir haben das mit einem Augenzwinkern geschrieben. Das ist anscheinend falsch verstanden worden. Es hat mich schon gewundert, dass Gleichberechtigung in der Sprache solche Reaktionen auslöst. Im heiligen Land Tirol gibt es ja zum Beispiel schon ein Landesgesetz, das nur in der weiblichen Form abgefasst worden ist.

Wie sind die Reaktionen ausgefallen?

Es gab in den sogenannten sozialen Medien den hämischen Vorwurf, wir würden uns mit den falschen Themen beschäftigen. Dabei wird über die Schreibweise in Wirklichkeit einem sehr wichtigen Thema Sichtbarkeit verliehen.

Ist es ein Problem der Grünen, dass sie offensichtlich nur mit ganz bestimmten Themen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden?

Ironischerweise hat die Diskussion intern ja keine wahnsinnig große Rolle gespielt. Mir gefällt es ja, dass dieses Thema debattiert wird. Wir haben in Wirklichkeit ja nur eine kleine Spitze geführt.


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