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Druckwerk Österreich: Das schlampige Interview

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

In einer Vorabmeldung kündigte das Blatt Österreich einen "aufsehenerregenden Vorschlag" an. Kanzler Werner Faymann fordere wegen des angespannten Arbeitsmarktes in Österreich "gleichen Lohn für gleiche Arbeit". Ein ungarischer Arbeiter solle in Österreich nur so viel verdienen wie in Ungarn.

Billige Arbeiter aus Ungarn? Das hätte bedeutet, der rote Kanzler wolle in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit Lohndumping betreiben. Sofort hagelte es Kritik auf Social Media. So schnell wie die Vorabmeldung über die Austria Presse Agentur ausgeschickt wurde, war sie dort auch wieder verschwunden. Österreich hatte die "aufsehenerregende" Nachricht zurückgezogen - ein Vorgang, der höchst selten vorkommt.

Aber warum? War es eines der gefälschten Interviews, für die Österreich in der Vergangenheit hart kritisiert wurde? Oder tat Österreich-Chef Wolfgang Fellner seinem Freund Faymann einen Gefallen? "Es ist keine Verschwörung", klärt Österreich-Chefredakteur Werner Schima auf: "Die Sache beruht offensichtlich auf einem Missverständnis. Das Interview wurde zwischen Tür und Angel autorisiert." Am nächsten Tag erschien jedenfalls die korrigierte Nachricht. Grundaussage: Faymann kämpfe gegen Lohndumping.


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