Gelesen Bücher, kurz besprochen

Mehr wissen über das Nicht-Wissen

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Die Februar-Ausgabe des deutschen Merkur sucht nach den Schattenseiten der digitalen Wissensgesellschaft. Es sei ja schön, dass Wissen nun für immer mehr Menschen immer leichter verfügbar ist, aber was geht dabei verloren? Die Poetik des Geheimnisses, die Romantik des Schicksals, die zwei Liebende auf Umwegen wieder zueinanderfinden lässt, schreibt etwa der Kulturwissenschaftler Andreas Bernard.

Ein Film, in dem eine Zufallsbekanntschaft auf einem Fest nicht in einem "Wir adden uns auf Facebook" endet, ist nicht mehr denkbar. Früher zollte man Menschen mit großem Allgemeinwissen Respekt, indem man sie ein "wandelndes Lexikon" nannte. Heute ist das im Grunde jeder, der ein Smartphone bei sich hat. Abendgesellschaften, Spaziergänge, Café-Plausch: Sie alle finden in einer "perfekt ausgestatteten Bibliothek" statt.

Trotz allem wissen wir zu wenig über die Funktionsweisen der Algorithmen, die dieses digitale Wissen für uns alle aufbereiten. Die Mechanismen des Nicht-Wissens gehören deshalb besser erforscht, fordert Bernard, weil damit ein "Beitrag zur Erforschung von Machtstrukturen im digitalen Zeitalter" geliefert würde.

Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, 70. Jahrgang, Februar 2016, Klett-Cotta-Verlag, 102 S., € 12,-


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