Film Neu im Kino

Amerikanische Ikonen: "Concussion"

Lexikon | Eva Kleinschwärzer | aus FALTER 07/16 vom 17.02.2016

Um eine "erschütternde Wahrheit" geht es, lässt uns der deutsche Filmtitel wissen. Die Tatsachen, auf denen der Film "Concussion" von Peter Landesman beruht, sind auch genau das. Bereits 2005 entdeckt der aus Nigeria stammende Neuropathologe Dr. Bennett Omalu, dass Football schwere Auswirkungen auf die langfristige Gehirnfunktion haben kann. Einen Namen hat er diesem Phänomen auch gegeben: chronisch traumatische Enzephalopathie. Nun könnte man meinen, dass man über Dinge, die man beim Namen nennen kann, endlich auch sprechen kann. Doch die NFL, die National Football League, hat nicht das geringste Interesse daran, diese enormen gesundheitlichen Risiken publik zu machen, und so geht man den einfachen Weg - man will Dr. Bennett Omalu mundtot machen. Als sich die Fälle häufen, in denen Menschen durch die von Dr. Omalu entdeckte Krankheit in den Tod getrieben werden, muss die NFL nach vielen Jahren der Geheimhaltung eingestehen, dass es sich hier tatsächlich um ein schwerwiegendes Problem handelt. Bis heute sind tausende Klagen von betroffenen Menschen eingereicht worden, die man bezüglich dieser Risiken im Unklaren lassen wollte.

Um dieses spannende Thema, das in den USA sicherlich anders rezipiert wird - beachtet man den Stellenwert von Football als Nationalsport - zu einem hollywoodgerechten Film zu machen, geht das Schema aber leider nach Baukastenform vor und kommt deshalb nicht an die eigentliche Brisanz und auch Dringlichkeit dieses Themas heran. Der Charakter Dr. Bennett Omalu (Will Smith) ist eine glatte Oberfläche, der Held des Films, dem wiederum einige Bösewichte gegenübergestellt werden. Am Rande gibt es dann noch einige Figuren, die diese Zweiteilung etwas auflockern - etwa Omalus Frau, deren einzige Aufgabe aber auch nur darin besteht, entweder hingebungsvoll Frühstück zu machen oder ihrem Mann mit bewundernden Worten beizustehen.

Hollywood macht diese Geschichte zum Inbegriff des American Dream - man kann es bis nach ganz oben schaffen, egal, woher man kommt. Vielleicht auch, damit der Teil mit dem Football-Skandal nicht ganz so schmerzhaft ist.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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