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Falters Zoë: Und sie fährt doch!

Falters Zoo | Lukas Matzinger | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Sie grinst immer so - das ist ein bisschen bedenklich. Sonst richtet sie sich gerne unschuldig weiß her und redet romantisch-verträumt, obwohl das fleißige Zigarettenrauchen ihr Stimmlein schon hörbar gedämpft hat. Eine 19-jährige Frau namens Zoë fährt für Österreich zum Song Contest. Ihr Lied heißt "Loin d'ici", was die meisten Österreicher genauso wenig verstehen, wie sie das ë auf ihrer Computertastatur finden. Sie singt über Liebe, in deren Sprache, Französisch, die hat sie in der Schule gelernt. Französisch ist zwar hier keine Amtssprache, hat aber seinerzeit bei Udo Jürgens schon recht gut funktioniert (Erster mit "Merci, Chérie" 1966). Zoë hat ihr Lied gemeinsam mit ihrem Vater geschrieben, sie ist ein Star in zweiter Generation: Ihre Mutter ist Model und fallweise Papermoon-Sängerin Roumina Wilfling, ihr Vater der Papermoon-Gründer und Schnulzenpapst i.R. Christof Straub. Die Tochter hat mit zehn im Fernsehen moderiert, mit elf beim Kiddy Contest mitgemacht und mit 14 gemodelt. Jetzt konzentriert sie sich vollends aufs Singen und Schauspielern (siehe die beliebte ORF-Schmuddelserie "Vorstadtweiber"). Nachdem sie schon im Vorjahr zum Song Contest wollte, darf sie jetzt wirklich fahren. Das heurige Lied ist besser als das alte, aber schwächer als ihr Sommer/Herbst-Hit 2015 "Mon cœur a trop aimé". Sie wird zurzeit aber eh nicht wirklich verdächtigt, uns "den Schas" zu gewinnen. Bei den Buchmachern liegt sie im Mittelfeld aller Teilnehmer - wobei: Frankreich wird ja wohl bitte ein paar Punkte dalassen. Damit hätte sie schon mehr gerissen als die Makemakes, die sie vergangenes Jahr aus der Nationalentscheidung geschmissen haben (später mit Nullrunde im Finale dahoam). Zoë singt am 10. Mai beim ersten Halbfinale, und wenn alles gut geht am 14. Mai beim Finale im Stockholmer Ericsson Globe.

Ist das nicht schön, was man als österreichische Speiseeisfirma auf die Beine stellen kann, wenn man eine neue Sorte herzeigen will? Da stehen dann Leute wie "Doppellutscher-Testimonial" Toni Polster, Chris Stephan, Yvonne Rueff, Martina Kaiser, Alex List, aber auch Michi Gaissmaier (Sänger von Heinz), Marcus Smaller (Sänger von 3 Feet Smaller) und Stuart Freeman (FM4-Moderator) und freuen sich über die Rückkehr eines Staberleises. So schlimm, denkt man, kann die Welt da draußen nicht sein, wenn die gesammelte Presse umgehend und dringlich mit solchen Sätzen informiert wird: "Mit Magnum Double Peanut Butter und Double Caramel wurden zwei edle Katzen von der Leine gelassen, die das Beast in jedem Eisfan wecken werden." Tu, felix Eskimo.

Große Sportsmänner werden ja nicht zuletzt dadurch ausgezeichnet, dass mindestens drei Journalisten eine Biografie über sie geschrieben haben. Der ÖFB-Trainer Marcel Koller steht jetzt bei zwei. Nach Krone-Fußballchef Peter Linden (November) hat nun auch Kleine Zeitung-Chef Hubert Patt erer zugeschlagen. Das will man lesen, das taugt den Leuten einfach. Weshalb bei der Präsentation im Studio 44 der Österreichischen Lotterien mindestens ein ganzer 23er-Kader Promis gesichtet wurde. In der Startelf stand neben den Genannten die politische Viererkette Hans Peter Doskozil, Erwin Pröll, Josef Ostermayer und Peter McDonald sowie Gerald Fleischhacker, Gerhard Roth und Rainer Pariasek.


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