Kanye West wie noch nie: Durchwachsenes vom Hip-Hop-Genie

Feuilleton | Musikkritik: Sebastian Fasthuber | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Die "Früher war alles besser"-Fraktion ließ kürzlich in den sozialen Medien ein Bild kursieren, auf dem Popstars von einst denen von heute gegenübergestellt werden. Auf der einen Bildseite sind die Beatles und andere Sixties-Künstler zu sehen, die halt noch echt kreativ waren, auf der anderen durchgeknalltgroßmäulige Nichtskönner von heute, allen voran Kanye West. Abgesehen vom latenten Rassismus, der in muffigen Gitarrenrockmagazinleserkreisen oft mitschwingt - wie kann sich der schwarze Mann nur erlauben, derart auf dicke Hose zu machen? -, ist das Verleugnen von Wests Genie auch faktischer Unsinn.

Mit den überreichen Arrangements seiner Frühwerke erwies er sich als Brian Wilson des Hip-Hop. Und seit dem überraschenden Electropoptrifft-R&B-Epos "808s & Heartbreak" (2008) brachte jedes Album eine erstaunliche neue Häutung. "My Beautiful Dark Twisted Fantasy" (2010) inszenierte er virtuos als Hip-Hop-Blockbuster, auf "Yeezus"(2013) ließ er raue Power hören.

Kurz: Man würde


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