Fragen Sie Frau Andrea

Kilmisters Mikroständer

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Kolumnen | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Liebe Frau Andrea,

jetzt ist er ja tot, und man kann ihn nicht mehr befragen, Mist! Wieso sang Lemmy Kilmister von Motörhead immer senkrecht nach oben? Hatte das was mit Schwermetall zu tun?

Vielen Dank,

Margit Dora Rosenkranz, per E-Mail

Liebe Margit Dora,

mittlerweile sterben die Hochmeister der diversen Populärkulturgenres im Wochentakt. Ergreifen wir die Gelegenheit, Ian Fraser Kilmister und seine Bedeutungsoszillate noch einmal in Erinnerung zu rufen. Wo der Mann geboren wurde (Smoke-on-Joint), wer seine Eltern waren (Royal-Air-Force-Feldkaplan und Bibliothekarin), was er trank (eine Flasche Jack Daniel's täglich) und dass sein zugemesstes Apartment in L.A. ein Privatmuseum für Nazi-Metall war, hat die Weltpresse anlässlich von Kilmisters Ableben (Rock-'n'-Roll-Prostata im Endstadium) ausgebreitet. Auch sein Werdegang als Provinzrocker, Roadie für Hendrix, Hawkwind-Bassist und schließlich Haushaltsvorstand für die Amphetaminband Motörhead wurde globusweit breitgetreten.

Ein luzides Süddeutsche-Interview Moritz Uslars aus dem Jahre 2003 reportiert Lemmy Kilmisters Deutschkenntnisse und gibt dabei einen ersten Hinweis auf des Metallers Zenitpräferenz. So habe Lemmy den deutschen Satz "Ich bin vom Himmel gefallen!" beherrscht. Die Frage zu Hölle oder Fegefeuer, den beiden postmortalen Destinationen im Stromlärmgeschäft, beantwortete Kilmister dialektisch. Er gehe dahin, wo es mehr Poolbillardtische gebe. Warum also sang Lemmy Kilmister auf der Bühne nach oben, den Mikrofonständer überkopfhoch ausgezogen, das Gesangsmikro nach unten geschwenkt? Saugte der Beelzebub aus kosmischem Euter? Es sei so einfacher zu singen, bekannte Kilmister, sein Röhren käme dann direkt aus der "windpipe". Stärkere Motivlage für die Idiosynkrasie liefert die Bandhistorie: "In den ersten Tagen gab es oft kein Publikum. Wir spielten ins Leere." Das gestreckte Singen sei eine Möglichkeit gewesen, das nicht zu sehen. Zudem befeuerte es den Mythos von Kilmisters Hünenhaftigkeit. Dabei war der Mann mit reportierten 1,78 genauso "klein" wie David Bowie, Mick Jagger, Rod Stewart und Kurt Cobain -oder so "groß" wie Grace Jones, Prinzessin Di, Michelle Obama und die Comandantina.

www.comandantina.com, dusl@falter.at, Twitter: @Comandantina


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige