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Die schönsten Fotos nach dem Skandal

Medien | Betrachtung: Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Ein lebloser Körper liegt auf der Straße von San Pedro Sula, Honduras. Der Kopf blutüberströmt, die rot glitzernde Schleifspur davor lässt vermuten, dass der Ermordete mehrere Meter über den Boden gezogen wurde. Neben ihm stehen zwei Soldaten, seelenruhig blicken sie in die Kamera. Drei Menschen sind in derselben Nacht auf derselben Straße zu Tode gekommen.

Das Bild des schwedischen Fotografen Niclas Hammarström verdichtet die Gewalt der Gangs in Honduras in einem Moment. Er holte sich damit den dritten Platz der Kategorie "Spot News" der World Press Photo Awards 2016.

Seit 1955 zeichnet die World Press Photo Foundation Fotoreporter aus, die den Betrachter mit ihren Bildern durchrütteln. Die Preisverleihung vergangene Woche war die erste nach dem Skandal. Im Vorjahr - ausgerechnet zum 60-Jahr-Jubiläum des Bewerbs - war ein Siegerfoto im Nachhinein disqualifiziert worden. Ein Italiener war der Manipulation überführt worden. Seine Fotoreportage war nicht real, sondern gestellt gewesen.

Im selben Jahr hatten die Juroren schon vor der Verleihung kritisiert, dass sie jedes fünfte Bild hatten aussieben müssen, weil sie offenkundig manipuliert waren. Einige Fotografen hatten ihre Werke kräftig retuschiert, hatten Bildelemente gelöscht oder hineinmanipuliert. Die Branche reagierte darauf. Die britische Nachrichtenagentur Reuters schloss neue Vereinbarungen mit Fotografen, der deutsche Fotojournalistenverband Freelens überarbeitete seine Leitlinie für Pressefotos, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Die Juroren mussten allerdings auch heuer wieder manipulierte Bilder aussieben. Wie viele es waren, wird Ende Februar veröffentlicht.


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