Kommentar Architektur

Baustelle Az W: Welches Erbe hinterlässt Dietmar Steiner?

Falter & Meinung | Maik Novotny | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Wenn im Oktober die Ausstellung "Am Ende: Architektur" im Architekturzentrum Wien (Az W) eröffnet, wird sie das Ende einer Ära markieren. Es ist die Abschiedsvorstellung von Direktor Dietmar Steiner, der das Haus seit der Gründung geleitet hat. Ihm wird, wie jetzt bekanntgegeben wurde, im Jänner 2017 Angelika Fitz nachfolgen (siehe S. 26). Ein Direktorenwechsel, der auch für einen Generationenwechsel steht: Steiner ist Teil eines Jahrgangs, der in den 1980er- und 1990er-Jahren mit frechem Selbstbewusstsein die Architekturdiskussion ins verschlafene Wien brachte und dessen Wandel nach dem Fall des Eisernen Vorhangs begleitete.

Von dessen Gründung 1993 an war das Az W das Forum für diese Diskussionen, nicht ohne ständigen Balanceakt zwischen Wien-Fokus, umfassender Österreich-Repräsentanz und internationalem Anspruch. Auch nicht ohne Scheu vor Konflikten: Der streitlustige Direktor handelte sich, etwa beim umstrittenen Hochhaus am Eislaufverein, bisweilen heftige Kritik aus der Architektenszene selbst ein. Budgetär und räumlich immer etwas zu klein gehalten, musste das Az W die aufwändigen Blockbuster-Ausstellungen, etwa die Josef-Frank-Retrospektive, dem Museum für angewandte Kunst überlassen. Steiners Herzenswunsch nach einem Architekturmuseum im Semper Depot wurde von Bund und Stadt stets abgeblockt.

Also machte man aus der Not eine Tugend und wurde in Randgebieten fündig, etwa beim Australier Glenn Murcutt, am Balkan und in der Sowjetmoderne, in globalen Architekturvon-unten-Projekten. Die vernetzt denkende Angelika Fitz ist die ideale Erbin dieser Tugenden: Keine großen Shows, sondern Überraschungen vom Rande.


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