Landrand Ruralismus

Daheim brennt die Firma

Da, wo Lukas Matzinger herkommt, hat keiner keinen Verwandten in der Firma

Landleben | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Samstagfrüh, SMS der Mutter . "Etwas Schlimmes ist passiert", schreibt sie, "in der Firma ." Ich weiß, welche Firma gemeint ist. Es gibt bei uns nur eine Firma. In dem Dorf, aus dem ich komme, wohnen 840 Menschen, in der Firma arbeiten 550. Bis Samstagfrüh, zumindest, brauchte der Schweizer Georg-Fischer-Konzern hier 550 Leute, um aus Metall Autoteile zu gießen.

Es habe eine Explosion gegeben, schreibt Mutter, überall seien Feuerwehren, Hubschrauber. In Altenmarkt bei St. Gallen, diesem Kaff an der Steirischen Eisenstraße, das von den Gemeindefusionen verschont blieb, weil es immer so gut dastand, weil es eben immer die Firma hatte, ist mit dem, was hier in Wien eine kleine Meldung ist, wenn überhaupt, die schlimmstdenkbare Tragödie eingetreten. Ein Bursch ist schwer verletzt, die Flammen werden sich das ganze Wochenende lang von Halle zu Halle fressen. Die Lebensgrundlage der halben Region brennt.

Ein Freund schickt mir ein Video von der Halle und den Flammen. Als ich es auf Facebook stelle, wird es 570-mal geteilt und 40.000-mal angesehen. Daheim ist es keine kleine Meldung, wenn die Firma brennt, die einzige Firma im Dorf.


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