Eure Majestät: Tardivo der Späte

Wer ihn einmal weich geschmort probiert hat, ist dem Radicchio Tardivo verfallen

Stadtleben | Gerichtsbericht: Katharina Seiser | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Es gibt kein schöneres Gemüse auf der Welt. Es gibt auch kein besseres. Zumindest nicht im Spätwinter. Die begehrteste unter den Radicchiosorten hört auf den Spitznamen Tardivo (was nichts anderes als "spät" heißt), offiziell "Radicchio Rosso di Treviso Tardivo", und darf diese Bezeichnung nur tragen, wenn dieser tatsächlich in dieser Region angebaut wurde. Würde man die Signaturenlehre auf die Küche übertragen, müsste er sich mit seinen strahlend weißen und an den Blatträndern dunkelweinroten Tentakeln prächtig mit Polpo vertragen.

Leider hat Radicchio nördlich der Alpen einen schlechten Ruf. Die meist nur sehr bitteren Kugeln der Sorte Rosso di Chioggia gibt's das ganze Jahr über, und wem sonst nix einfällt, der macht damit bunten (und bitteren) Salat. Die länglichen Formen, nach der Stadt Treviso im Veneto benannt, sind nicht so bitter, dafür wesentlich aromatischer. Man kann sie auch als Salat zubereiten, was ihn schön knackig (und bunt) macht, aber die Anziehungskraft


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