Theater Kritik

"Unterwerfung": Wo ist die Satire geblieben?

Lexikon | SS | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Groß und dominant hängt über der Bühne eine Karikatur von Michel Houllebecq. Die Zeichnung entstammt einem Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Satirischer als die Karikatur, die gleich drei Mal angebracht wurde, wird die Vertheaterung von Houllebecqs Roman "Unterwerfung"(Regie: Ali M. Abdullah) aber nicht. Dabei ist dieser Roman durchaus satirisch angelegt, und sein Witz besteht vor allem darin, wie schnell sich die akademische Mitte einem gemäßigten Islam anpasst, als im Jahr 2022 ein muslimischer Präsident an die Spitze Frankreichs gewählt wird.

In der Bühnenfassung bleibt vom Witz des Buchs nicht viel übrig. Marc Fischer spielt den gelangweilten Universitätsprofessor François, der sich außer für die Fellatio seiner Exfreundin Miriam (Hanna Binder) für wenig begeistern kann. Während des Wahlkampfes verlässt er Paris und fährt mit dem Auto in Richtung Süden.

Dass er mit einem echten Auto über die Bühne rollt, soll vielleicht den fehlenden Antrieb der Inszenierung ausgleichen, in der viel Rotwein getrunken wird, viele Parisiennes geraucht werden, eine Gruppe von Studenten unmotiviert in einem Glaskubus am Bühnenrand abfeiert und die Schauspieler kaum Dialoge führen, sondern eher ganze Textpassagen aus dem Buch wiedergeben. François lauscht den Ausführungen eines Geheimdienstmitarbeiters und lässt sich vom neuen Präsidenten der Sorbonne anwerben. Zum Schluss wird vielleicht auch er zum Islam übertreten, wäre doch gar nicht so schlecht, oder? Eine Frau in Burka erklärt, warum, die Motivation des lethargischen Protagonisten kann man trotzdem kaum nachvollziehen.

Houellebeqs Roman erschien übrigens genau an jenem Tag im Jänner letzten Jahres, an dem der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo in Paris verübt wurde. Der Autor brach daraufhin seine Promotionstour ab.

Werk X, So 19.30


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