Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Kräuterlikör

Ein schicker Likör mit hartnäckiger Begleitung

Stadtleben | MS | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Wenn man von einem Kräuterlikör aus Wien liest, denkt man vielleicht an die Schafgarbe, an den Spitzwegerich, die Gedanken schweifen zur lindblauen Wegwarte, und landen wird man vielleicht bei der kräftig bunten Ringelblume. Das Repertoire an Kräutern, die potenziell in Wien vorkommen, ist gar nicht klein.

Die sehr ansprechende Gestaltung von Kalê, dem Kräuterlikör aus Wien, tröstet einen zunächst über das Missverständnis, die Kräuter würden aus Wien kommen, hinweg. Da wurde mit Yuzu, Damiana und Matcha gearbeitet. Mit Ginkgo, Maca, Eukalyptus und Guaraná. Einzig der weitverbreitete Baldrian ist eine in Europa verwurzelte Pflanze mit stark beruhigender Wirkung. Dem Wiener Zucker wurde gehuldigt, was ein Pluspunkt bei der Wahl der Zutaten ist. Dieser wurde sparsam eingesetzt. Beim Alkoholgehalt liegt man bei 23 Prozent.

Die drei Macher von Kalê sind Quereinsteiger auf dem Gebiet der Spirituosenerzeugung, dafür ist der Auftritt sehr professionell und elegant gelungen. Der Habitus stimmt auf den ersten Blick. Der Likör soll beruhigen, aphrodisieren und wach halten und cool sein - die ganze Palette also. Der erste Schluck ist ansprechend, und doch steigt einem ein Geruch in die Nase, der sich bei den nächsten Schlucken als hartnäckiger Begleiter herausstellt: Ist das Baldrian oder doch Eukalyptus? Lässt man den Blick bedächtig kreisen, fällt einem der Stöpsel respektive das Zitat eines Stöpsels auf: Glas mit Wachsdeko. OMG!

Zu haben ist die Flasche für 29 Euro (www.kale.at).


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