Kindertheater Kritik

Mordsgaudi: Goldiger Besuch vom Zornbinkerl

Lexikon | NS | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Was macht die Märchenfigur, wenn sie der Zorn übermannt? Schnell in ein Papiersackerl schnaufen, damit nichts Schlimmeres passiert. In "Rumpelstilzchen. Gleich zerreißt es mich!" im Rabenhof tritt das titelgebende Männlein mit roter Zipfelmütze und hässlichen Beulen am ganzen Körper auf. Gleich zu Beginn des Stücks möchte es schon platzen ob der Gemeinheit der anderen Kinder, die aus dem Off seinen Namen als "Pumpelpilzchen" oder "Tumpelhilzchen" verspotten. "Aus, Schluss, Ende, Gelände", das lässt sich der von Sebastian Pass urkomisch gespielte Wicht nimmer gefallen und wandert aus. Der Zufall führt ihn in die Heimat von Müllermeister Müller und seiner unerschrockenen Tochter Liselotte.

Und weil der Müller so ein Aufschneider ist und die Liesl so gern den Prinzen heiraten will, gibt es für Rumpelstilzchen dort auch gleich einen Job. Das Spinnen von Stroh zu Gold kommt aber teuer: Das erste Kind der zukünftigen Königin wird als Lohn für das am Ende der dritten Nacht ganz von Lametta glänzende Turmzimmer versprochen. Prinz Eduard, der sich schon beim Heiratsantrag dumm angestellt hat, ahnt nichts von der Bredouille seiner "geliesten Liebelotte". Aber gemeinsam mit seinem Schwiegerpapa kommt er dem namenlosen Babyentführer schließlich auf die Schliche.

Mit viel Sprachwitz und fröhlich zusammengeschusterten Kulissen haucht das Stück dem Grimm'schen Klassiker Action ein. Dafür müsste Rumpelstilzchen zwar nicht unbedingt am Lagerfeuer Pogo tanzen, aber es macht verdammt viel Spaß dem crazy Mützenkerl dabei zuzusehen. Nach so einem Energieausbruch - nah am Zerspringen -verzeiht man den von Roman Freigaßner inszenierten 80 Minuten auch den verharmlosenden Schwenk in Richtung Happy End für das Zornbinkerl.

Rabenhof, Premiere Do 17.00


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