"Mir schmeckt Fleisch ziemlich gut"

Pia Hierzegger über ihr Stück "Die Fleischhauer von Wien" im Volkstheater in den Bezirken

Lexikon | Interview: Sara Schausberger | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016


Foto: Lupis Puma

Foto: Lupis Puma

Die Schauspielerin und Autorin Pia Hierzegger ist nicht nur Teil der Grazer Theatergruppe Theater im Bahnhof, sondern auch aus Film und Fernsehen bekannt. Jetzt wird ihr neues Stück „Die Fleischhauer von Wien“ im Volx/Margareten uraufgeführt. Darin erforscht die Autorin, wie es heutzutage um diese Zunft steht. Im Zuge ihrer Recherchen ist sie zur Expertin in Fleischangelegenheiten geworden.

Falter: Essen Sie Fleisch, Frau Hierzegger?

Pia Hierzegger: Ja. Ich wollte mal kurz Vegetarierin sein, weil die Tierhaltung in Österreich und auch überall anders nicht optimal ist. Aber mir schmeckt Fleisch ziemlich gut, am meisten sind mir diese scharfen, harten Würste abgegangen. Dann habe ich mir typisch bobomäßig gedacht, dass ich versuchen will, nur Fleisch zu essen, bei dem ich weiß, wo es herkommt. Dadurch hat sich mein Fleischkonsum schon sehr reduziert.

Hat die Recherche für das Stück Ihren Zugang zum Fleischessen verändert?

Hierzegger: Ich bin draufgekommen, dass in Sachen „Bio“ vieles einfach ein Pickerl ist, was noch lange nicht heißt, dass es den Tieren gut gegangen ist. Ganz abgesehen von der grundsätzlichen Frage, ob es legitim ist, ein Tier zu töten.

Was macht ein Fleischhauer überhaupt?

Hierzegger: In Wien gibt es nur noch einen Fleischhauer, der seine Tiere selber schlachtet, den Hödl im 23. Bezirk. Sonst kriegen die Fleischer nicht einmal mehr die ganzen Tiere, sondern nur noch Teile von ihnen, die sie dann weiterverarbeiten. Sie haben ihre eigenen Rezepte und stellen Würste her und räuchern Schinken. Außerdem gibt es mittlerweile auch den Fleischverkäufer als eigenen Lehrberuf, das hat angeblich der Rewe-Konzern durchgesetzt. Der Fleischverkäufer im Supermarkt muss nur noch paketieren und aufschneiden, der muss nicht wissen, wie man eine Wurst macht.

Wie sind Sie eigentlich auf
das Thema gekommen?

Hierzegger: Das war eine Gemeinschaftsfindung im Theater im Bahnhof. Es gab die Einladung vom Volkstheater, das wir ein Stück machen, und die Idee, dass wir uns wieder mit einer Berufsgruppe beschäftigen, wie wir es auch schon davor gemacht haben. Der Regisseur Lorenz Kabas kommt aus einer Fleischerei, seine Eltern haben einen Fleischbetrieb in Murau. Und bei uns im Theater gibt es Leute, die sich vegan ernähren, das Ganze ist also ein Thema, das immer wieder aufkommt.

In Ihrem Stück geht es um einen Familienbetrieb, der nach dem Tod des Vaters weitergeführt werden soll. Doch die Kinder wollen nicht.

Hierzegger: Bei den Fleischern durften ursprünglich nur Fleischersöhne die Fleischerei weiterführen, oder es hat jemand die Lehre gemacht und eine Fleischertochter geheiratet, weil die als Frau den Betrieb nicht selber übernehmen durfte. Bis heute ist es so, dass der Beruf eher weitervererbt wird. Aber der Zwang, dass die Kinder übernehmen müssen, ist weniger geworden. Die Leute wollen, dass ihre Nachkommen mehr Chancen haben.

Geht es auch um Vegetarismus?

Hierzegger: Es gibt eine Figur, die kein Fleisch isst, anhand ihrer wird das erzählt. Aber es ist auch schwierig, so was auszubreiten, ich will ja niemanden belehren oder bekehren.

Der Begriff „Fleischhauer“ hat etwas Grobes an sich. Gibt es den Typ des dicken Fleischhauers mit der blutigen weißen Schürze überhaupt noch?

Hierzegger: Nein, das hat sich sehr verändert. Die heutigen Fleischhauer sind eher Lebensmittelkünstler, da ist es auch nicht so toll, wenn man blad ist. Sie müssen Nischen finden und sich spezialisieren. Normales Fleisch ist im Supermarkt einfach billiger und praktischer zu kriegen. Leider können sich nur wenige Leute leisten, Biogemüse und glückliches Rind zu kaufen.

Wer ist der beste Fleischer in Wien?

Hierzegger: Das kann ich jetzt natürlich nicht sagen. Das Interessante ist: Man findet überall was Besonderes, ob das jetzt ein Schinken, eine Wurst oder Wild ist. Außerdem ist der Fleischhauer viel regionaler als der Supermarkt, wo es überall das Gleiche gibt, egal ob man in der Steiermark oder in Wien ist.

Ihre Stücke haben immer auch einen gewissen Schmäh. Welche Rolle spielt Humor für Sie?

Hierzegger: Es muss nicht unbedingt alles lustig sein, aber wenn es völlig humorlos ist, finde ich das ganz schrecklich. Ich mag es nicht, wenn mir am Theater oder im Film gezeigt wird, was ich fühlen soll, wenn nichts mehr offenbleibt. Und ich glaube, das hat viel mit Humor zu tun. Wenn man sich selber als Künstler oder Künstlerin nicht so ernst nimmt, haben die anderen eine Chance mitzumachen. Ich hoffe, das ist auch bei den „Fleischhauern“ so.

Volx/Margareten, Fr 19.30; Simm City, So 19.30; VZ Leopoldstadt, Mo 19.30; Theatersaal
Längenfeldgasse, Mi 19.30; VZ Erlaa, Do 19.30


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