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IT-Kolumne

Medien | Anna Goldenberg | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Ich hab mich immer als eher unsentimental betrachtet. Mehr so intellektuell, bitte, ich trage schließlich eine Brille. Leider stimmt mein Selbstbild jetzt nicht mehr; schuld daran ist ein Eisbärenbaby, das in einem Zoo in Ohio mit einer Flasche aufgezogen wird. Und dieser kleine Otter, der in Minnesota im Schnee spielt. Die weiße Robbe, die die Flosse hebt, als würde sie grüßen. Und die Hundewelpen, die unbeholfen übereinander klettern. Mit feuchten Augen verliebt grinsend sitze ich an meinem Computer, merke kaum, dass ich die Videos wiederholt anklicke. Und nicht nur das: Ich quäle meine Umgebung damit, versende Links, frage kurz nach der Begrüßung, ob man sich das Eisbärenbabyvideo ansehen will.

Den Reiz von Tiervideos hätte ich längst durchschaut, dachte ich. Einerseits das Kindchenschema, andererseits identifizieren wir uns mit der lässigen Robbe. Was ist das jetzt also - ein Ausgleich für grausame Weltereignisse und unproduktive Arbeitstage? Werde ich im Alter sentimental? Gute Frage. Aber erst schauen, was der kleine Otter so macht.


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