"Wir scheißen auf Coolness"

Isolation Berlin erlösen den deutschen Gitarrenpop aus seiner Langeweile

Feuilleton | Porträt: Gerhard Stöger | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Ein Popalbum, randvoll mit Liedern über die Liebe? Gähn! So verständlich diese Reaktion angesichts einer gefühlten Million derartiger Platten ist, sie könnte im Fall von Isolation Berlin kaum falscher sein. Tobias Bamborschke, der Sänger, Gitarrist und Songwriter mit dem gebrochenen Herzen, klingt nämlich so unverdorben und überzeugend, wie man es im deutschen Gitarrenpop schon lange nicht mehr gehört hat.

Er leidet nicht kunstvoll, suhlt sich nicht in Selbstmitleid und verschont uns mit Gejammer zur Lagerfeuergitarre. Spürt er seinen Gefühlen nach, bemüht er weder hochtrabende Metaphern noch abgedroschene Bilder. Er benennt knapp, präzise und poetisch. Fast so, als wäre er der erste Mensch, der abseits des Schlagers auf Deutsch über Verlust und den Umgang damit singt, über Verzweiflung und Depression, Leidenschaft, Wahnsinn und die Welt, die eigentlich aussieht wie davor und doch eine ganz andere ist, nachdem man verlassen wurde.

"Und aus den Wolken tropft die Zeit" heißt


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