Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016

Tiz Schaffer aus dem Falter Verlag schwingt die Tür zum Sitzungssaal auf, sein Bart ist schön, seine Stimme samtig. Er ist gekommen, um die wöchentliche Blattkritik zu halten. Blattkritik, das ist, wenn ein kompetenter Mensch die letzte Falter-Ausgabe bespricht und der Redaktion dabei die Leviten liest.

Diesmal eben Schaffer, er liebt Feng Shui. Die Tischreihen vor ihm sollten eigentlich zu einem rechteckigen O geformt sein. Aber sie sehen aus, als hätte sie ein schwerbesoffener Innenausstatterlehrling angeordnet. Die Feng-Shui-Energie will fließen, stößt sich aber alle paar Meter an einer Tischecke wund.

Herausgeber Armin Thurnher erklärt die Wiederherstellung der rechteckigen O-Ordnung zur Chefsache. Er rückt sämtliche Tische zurecht, bis jede Reihe eine gerade Linie ergibt. Als er schließlich am Tisch von Kirstin Breitenfellner und Michael Omasta Hand anlegt, stellt er irritiert fest: Der Tisch wackelt. Thurnher verschwindet unterm Tisch und beginnt herumzuschrauben. "Ja, der Chef kniet vor mir. Ich hab's geschafft", freut sich Breitenfellner. Minuten verstreichen. Irgendwann beendet Thurnher die Arbeit mit dem Wort: "So!"

Der Tisch wackelt nach wie vor, ist jetzt aber um einiges höher. Die Redaktion schweigt nobel. Omasta lacht still.

Fast Feng Shui. Schaffer beginnt seine Blattkritik. Er schlägt die Seite 3 auf und sagt, die Nachrichten aus dem Inneren seien zu insiderisch geschrieben. Er wisse nicht, ob diese Kolumne außerhalb der Redaktion jemanden interessiere.


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