Revolution und Biedermeier

Die große Zeit des Hörspiels war einmal. Doch die radiofone Kunstform hat einen langen Atem

Medien | Würdigung: Sebastian Fasthuber | aus FALTER 08/16 vom 24.02.2016


Das Hörspiel „The War of the Worlds“ machte Orson Welles berühmt (Foto: Ullstein Bild / picturedesk.com)

Das Hörspiel „The War of the Worlds“ machte Orson Welles berühmt (Foto: Ullstein Bild / picturedesk.com)

Es herrscht konzentrierte Stille im Hörspielstudio, das sich im Untergeschoß des Radiokulturhauses befindet. Andreas Jungwirth nimmt für Ö1 eine Hörspielfassung von Adalbert Stifters „Hochwald“ auf. Die Produktion ist gewissermaßen ein oberösterreichisches Gipfeltreffen. Nicht nur Autor und Regisseur stammen aus dem Land ob der Enns, sondern auch Sophie Rois, die als Erzählerin des Stücks gewonnen werden konnte. Die Schauspielerin gehört seit Jahren zu den beliebtesten Hörspielstimmen im deutschsprachigen Raum.

Nach eineinhalb intensiven Arbeitstagen fehlen nur noch ein paar kleine Takes. Jungwirth gibt vom Regieraum aus, der ein bisschen wie die Kommandozentrale eines retrofuturistischen Raumschiffs anmutet, letzte Anweisungen. Rois wuzelt sich derweil schon einen Belohnungstschick für danach. Dann setzt sie langsam an. Nach wenigen Worten fühlt man sich in die Vergangenheit, in Stifters Welt gebeamt – da zerstört auf einmal schrilles Handyklingeln die Atmosphäre. Rois hat vergessen, ihr Smartphone auf lautlos zu schalten.


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