Österreichisches Kino als Forum

158 Filme und darunter sehr viele Premieren zeigt die Diagonale in Graz unter neuer Leitung

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Polemisch könnte man sagen, die Welt brennt und ihr geht ins Kino", sagt Peter Schernhuber und gibt zugleich die Antwort: "Man kann jedoch auch fragen: Was weiß die Leinwand, was wir zuvor nicht wussten?" Kino verstehen Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger durchaus als politischen Raum. Glamour dürfe es bei der Diagonale auch geben und für den Zweifelsfall gilt die Empfehlung, zu overdressen. Diese Diagonale wird die erste des Intendantenduos sein und Partys sind nicht zu knapp programmiert. Weiterhin will die Diagonale ein "Best-of des aktuellen heimischen Filmschaffens" sein. Mit Graz hat sich die neue Intendanz, die Barbara Pichler folgt, umsichtig befasst, das spiegelt sich im Rahmenprogramm. So findet am 10. März eine Kurzfilmwanderung des Street Cinema Graz statt.

Eröffnet wird die Diagonale mit Mirjam Ungers Adaption des autobiografischen Romans "Maikäfer flieg" von Christine Nöstlinger. "Was bei Nöstlingers Büchern auffällig ist, ist, dass in dieser Kinderperspektive eine konkrete, politische Haltung ist. Das Schöne ist, dass der Film, der in unglaublich tolle Bilder von Eva Testor gegossen ist und auch mit diesem Anspruch einer Filmsprache, wie sie Mirjam Unger hat, diese Haltung wiedergibt", sagt Sebastian Höglinger. "Maikäfer flieg" ist für das Intendantenduo ein "Film mit Rückgrat und klarer politischer Haltung, wie er dringender nicht nötig sein könnte." Produziert hat "Maikäfer flieg" Gabriele Kranzelbinder, ihr ist die neue Reihe "Zur Person" gewidmet.

Im Wettbewerb laufen elf weitere Uraufführungen und elf Österreich-Premieren, Spiel-und Dokumentarfilm zusammengezählt. Darunter ist Daniel Hoesls zweiter Langspielfilm "WIN-WIN", eine Satire über die Macht des Geldes, ebenso wie der zweite Langspielfilm Peter Brunners, die Comingof-Age-Geschichte "Jeder, der fällt, hat Flügel" und der in Schwarz-Weiß gehaltene Debütfilm "Im Spinnwebhaus" von Mara Eibl-Eibesfeldt, in dem drei Kinder mit der plötzlich länger als angenommenen Abwesenheit ihrer Mutter konfrontiert sind.

In der Kategorie Dokumentarlangfilm darf man neugierig sein auf Kurdwin Ayubs persönlich erzählte Reise "Paradies! Paradies!" in den Irak, aus dem ihre Familie 1991 fliehen musste. Österreichpremiere hat auch Ruth Beckermanns "Die Geträumten", nachdem er auf der Berlinale gelaufen ist. Anja F. Plaschg und Laurence Rupp sprechen ausgewählte Passagen aus dem Briefwechsel Ingeborg Bachmanns und Paul Celans ein. Anja F. Plaschg trägt diesen Film und bannt das Publikum in diesem persönlichen Drama.

Diagonale, Festival des österreichischen Films, Graz, div. Orte, 8. bis 13.3., diagonale.at


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