Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Linzer Regionäre wollen Brücken niederreißen

Politik | JOSEF REDL | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Noch ist es nur eine kleine Gruppe, die sich auf Facebook und Twitter formiert hat, aber sie verfolgt ihr Anliegen sichtlich mit großem Engagement. Die "Regionäre Bewegung" ist Ventil für wütende Linzer, die genug haben. Genug von der "erbärmlichen Verkehrssituation" und dem "unverständlichen Sprachgewirr". Sie beklagen Arbeitsplatzverlust und mangelnden Integrationswillen. Und die Regionäre wissen, wer schuld an diesen untragbaren Zuständen ist: "48.000 Mühlviertler dringen jeden Tag nach Linz ein", heißt es in dem von bisher 160 Menschen gelikten Facebook-Profil der Gruppe.

"Einige unserer Freunde sind Mühlviertler, aber dieser große Ansturm ist nicht zu bewältigen", geht es im Sprachduktus der Empörten weiter.

Bei der "Regionären Bewegung" handelt es sich offenkundig um ein Satireprojekt. Allerdings um ein recht gelungenes. Die Einträge, die via Facebook und Twitter verbreitet werden, ähneln denen von Identitären und anderen rechten Internethetzern, die ihren rassistischen Vorurteilen in der Anonymität des Netzes freien Lauf lassen.

Neben einer Statistik, die beweisen soll, dass es sich bei den Mühlviertlern in erster Linie um Wirtschaftsflüchtlinge handelt, gibt es auch Erfahrungsberichte über integrationsunwillige Migranten, die aus dem Linzer Umland stammen.

Als Symbol führt die Bewegung mit dem Hashtag #nobridge eine eingestürzte Brücke, schließlich werden die Donauquerungen für den unkontrollierten Zuzug von Migranten aus dem Mühlviertel verantwortlich gemacht. "Regionalität hat auch ihre Grenzen. Natürliche Grenzen bewahren! Brücken abreißen", lauten die programmatischen Forderungen. Am Sonntag wurde daher auch von einer Abordnung der Beginn der Abrissarbeiten an der Eisenbahnbrücke in Linz bejubelt.

Eine Demonstration wenige Tage zuvor wurde -zumindest erwecken Fotos auf Facebook diesen Eindruck - von Polizisten aufgelöst.


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