"Um Freiraum zu kriegen, hieß es: Schwanz ab!"

Die Künstlerin Renate Bertlmann goss Penisse aus Latex und beschoss Sexpuppen - eine späte Würdigung

Feuilleton | PORTRÄT: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Lautes Babygeschrei erfüllt die Galerie. In der Mitte des Saales sitzt eine monströse Gestalt: In einem Rollstuhl wartet eine Braut mit dickem Bauch, einer gruseligen Maske am Kopf sowie sonderbar verlängerten Fingern. "Bitte schieben!", fordert ein Zettel das Publikum auf. Beim Näherkommen wird deutlich, dass Gesicht, Finger und Schleierkranz aus Latexaufsätzen von Babyfläschchen bestehen. Abrupt erhebt sich die Braut, drückt ein weißes, weinendes Bündel an einer Latexschnur unter dem Hochzeitskleid hervor und verlässt den Ort ohne ihr "Kind".

Fast 40 Jahre später steht Renate Bertlmann in der Firmenzentrale des Verbunds vor dem Video ihrer damaligen Performance. Kein Museum, sondern ein Energiekonzern hat die beeindruckenden Fotos und Performancerelikte der Aktion der feministischen Künstlerin für seine Sammlung angekauft.

"Meine ursprüngliche Inspiration war das Theaterstück 'Die Kleinbürgerhochzeit' von Bert Brecht", erzählt die 73-jährige Künstlerin, der man ihr Alter


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